TROUBADISC Music Production
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TRO-SACD 01429 - VIOLIN SOLO Vol.2


Klassik heute,
06.07.2006

Bewertungsskala: 1-10
Künstlerische Qualität:  10 
Klangqualität:  9
Gesamteindruck:  10

Sowohl für den Spieler als auch für den Hörer sind Violin-Recitals meist sehr intensive Erfahrungen. Das Instrument erscheint ohne Begleitung quasi nackt, wird zum einzigen Träger der Entwicklung, und offenbart auf diese Weise schonungslos auch die physisch-geräuschhaften Aspekte des streichenden Musizierens. Diese Intensität wird noch gesteigert, wenn es sich um moderne oder gar um Neue Musik handelt.

Die Violinistin Renate Eggebrecht, die auf dem Label TROUBADISC mittlerweile ihr zweites Solo-Programm vorlegt, entgeht freilich der Gefahr einer Überforderung des Hörers schon durch die kluge, weil abwechslungsreiche Zusammenstellung der fünf Werke verschiedener Komponisten, sowie durch die geradezu unendliche Ausdruckspalette, mit der sie ein einziges und jeweils spezifisches Idiom für jedes dieser Stücke findet. Die Breite dieser Palette zeigt sich sehr deutlich, wenn man nur die beiden Sonaten von Erwin Schulhoff und Béla Bartók vergleicht. Schulhoff setzt seine Sonata pour violon seul aus vier sehr kurzen Sätzen zusammen, die in sich eher monochrome Charakterstücke darstellen. Auch untereinander sind sich die Abteilungen ähnlich, zum Teil durch die Verwendung von Etüdenmaterial, zum Teil auch durch die tendenziell etwas neutralen und unentschiedenen Tonreihen; Schulhoff kommt es merkbar mehr auf eine Binnendifferenzierung des Materials an als auf scharfe Kontraste. Eben diese Differenzierung nun arbeitet Eggebrecht sehr überzeugend heraus, mit tonschönem Spiel, im rechten Augenblick aber auch mit Sinn für das rauhe Moment.

Im Vergleich dazu demonstriert schon die stilisierte Ciaccona, mit der Bartók seine Solosonate eröffnet, wie ungleich stärker zielgerichtet komponiert werden kann, wenn eine wie auch immer vielschichtig gebrochene Tonalität zugelassen wird. Interessant zu hören ist nun, wie Eggebrecht hier einen viel feineren, weniger spröden, weitaus klangvolleren Ton etabliert – dies ist ein interpretatorischer Stilwechsel, der zeigt, wie bewußt die Violinistin die Stücke tonlich, artikulatorisch und gestisch je individuell disponiert. Besonders erwähnenswert ist, wie in der Fuga auch die heterogensten Violin-Effekte in die polyphone Durchführung integriert werden.

Eggebrechts Dramaturgie ist sehr geschickt: Nach dem bedeutendsten und umfangreichsten Werk, eben der Bartók-Sonate, nimmt die Informationsdichte immer mehr ab. Die Solosonate der 1969 verstorbenen Polin Grazyna Bacewicz offenbart zwar eine Fülle von Elementen: marionettentheater-artige Motorik, mikrotonales Spiel, leise, tastende Passagen, spitzt diese Fülle jedoch schließlich auf den 2. Satz zu, ein manisches, klaustrophisches perpetuum mobile, von Eggebrecht bewundernswert sauber intoniert und mit genau dosierter Intensität versehen. Der Höhepunkt an Reduktion ist mit Milhauds Sonatine pastorale op. 383 erreicht, einem winzigen dreisätzigen Werk von gerade einmal vier Minuten Dauer. Dieser Konzentration kontrastiert wiederum die Solosonate in griechischer Stimmung von Dimitri Nicolau, die Renate Eggebrecht auch gewidmet ist: ein saftiges Stück, das von Violinismen und volksmusikalischen Anspielungen geradezu strotzt. Diese griechische Sonate ist im besten Sinne musikantisch: holt sie doch in knappen 20 Minuten sehr, sehr viel von den Schönheiten hervor, die eine Interpretin wie Renate Eggebrecht künstlerisch zu bieten hat.
Michael B. Weiß


Rezension, 21.08.2006

Violin Solo Vol.2
Renate Eggebrecht spielt Werke für Violine solo von Erwin Sculhoff, Béla Bartók, Grazyna Baciwicz, Darius Milhaud und Dimitri Nicolau

Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sich ganz allein - mit nichts als einer Violine in der Hand - aufs Podium oder ins Studio zu stellen und auch nur eines jener Werke aufzuführen, die Renate Eggebrecht auf ihrem neuen Recital  VIOLIN SOLO 2  herausgebracht hat. Die kantige Sonate des Tschechen Erwin Schulhoff beispielsweise oder die kapriziös-klassizistische Teufelei von Grazyna Bacewicz, die selbst eine exzellente Geigerin war, vor allem aber die alles überragende, bald halbstündige Sonate, die Béla Bartók noch kurz vor seinem Tode für Yehudi Menuhin komponierte - all das ist Stoff, aus dem für den normalen Musiker allenfalls Alpträume sind...

Renate Eggebrecht hat damit keine Schwierigkeiten. Nachdem sie in den letzten Jahren auf ihrem Label TROUBADISC neben einer Reihe größer besetzter Kammermusik-Raritäten auch sämtliche Solostücke von Max Reger - und das sind einige - sowie ein erstes Violin-Recital produziert hat, stürzt sie sich in ein neues, enorm spannendes und farbiges Abenteuer,  das sie wiederum glänzend besteht: Selbst die zierliche kleine Sonatine pastorale von Darius Milhaud (»Scaramouche«) wird unter ihren Händen zu einem Juwel, und die "Sonata in Greek mood" (Sonate in griechischer Stimmung), die der 1946 geborene Dimitri Nicolau vor vier Jahren für die exzellente Künstlerin geschrieben hat, krönt ein Programm, das in seiner Vielfalt beinahe unergründlich, als Hörerlebnis aber rundrum beglückend geraten ist.
E.H.


Interview mit der Geigerin Renate Eggebrecht
 

http://www.klassik-heute.com/exclusiv/eggebrecht/index.html





 
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(18.07.2014 - 16:25 Uhr)

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Erwin Schulhoff, Sonata pour violon seul
Béla Bartók, Sonata for Solo Violin (1944)
Grażyna Bacewicz, Sonata per violin solo (1958)
Darius Milhaud, Sonatine pastorale pour violon seul op.383 (1960)
Dimitri Nicolau, Solo Violin Sonata in Greek Mood op.228 (2002)

Renate Eggebrecht, Violine


Renate Eggebrecht

 

 

 

 

 

 


Renate Eggebrecht

 

 

 

 

 

 


Renate Eggebrecht

 

 

 

 

 

 


Renate Eggebrecht