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TRO-SACD 01430 - Robert Schumann


Correspondenz N° 29, Dezember 2006
Robert Schumann Gesellschaft e.V.

Drei der bekanntesten Klavierzyklen aus Robert Schumanns frühen Schaffensjahren legt der Pianist Wolfram Lorenzen anläßlich des 150. Todestages des Komponisten vor. Die Zwölf Symphonischen Etüden op. 13 – Lorenzen spielt die Fassung der Erstausgabe von 1837 – gehen auf den Herbst 1834 zurück und haben eine enge Verbindung zu Schumanns erster, heimlicher Verlobter Ernestine von Fricken. Deren (Adoptiv-) Vater, Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken, selbst ein guter Flötist und Musikliebhaber, schrieb das den Etüden zu Grunde liegende Thema und gab es Schumann, ohne zu ahnen, was dieser daraus entwickeln würde. Schumann setzte letztlich mit diesem op. 13 einen Meilenstein auf seinem Weg zu den späteren großen Instrumentalwerken in zyklischer Form.

Aus dem Frühsommer des Jahres 1837 stammen mehrere Klavierstücke, von denen Schumann schließlich acht auswählte und in zwei Heften bei Breitkopf & Härtel unter dem Titel Fantasiestücke op. 12 veröffentlichte. Die Sammlung bietet ein facettenreiches Kaleidoskop motivischer, harmonischer und rhythmischer Finessen mit unterschiedlichem Stimmungsgehalt. Der Bogen spannt sich dabei über beide Hefte und führt jeweils von abendlich‑nächtlicher zu humorvoller Atmosphäre.

Aus dem Frühjahr 1839, gegen Ende seines eher erfolglos verlaufenen Aufenthalts in Wien, stammen die ersten Skizzen zum später als Faschingsschwank aus Wien op. 26 publizierten Werk, dessen letzter Satz erst im Januar 40 in Leipzig abgeschlossen wurde. Vor der Bezeichnung „Sonate“ schreckte Schumann wie im Falle seiner Fantasie op. 17 auch hier zurück. Dennoch lassen sich im fünfsätzigen Faschingsschwank deutlich zyklische Momente erkennen. Elemente der tradierten klassischen Gestalt der Sonate bleiben nicht zuletzt durch die tonartlichen Verhältnisse der Sätze untereinander erhalten.

Wolfram Lorenzen interpretiert Schumanns Stücke angemessen, einfühlsam und mit einer beeindruckenden technischen Leichtigkeit. Der ironischen Komponente im Faschingsschwank wird er ebenso gerecht wie der lyrisch‑getragenen Ausdruckstiefe der Fantasiestück. In den Symphonischen Etüden arbeitet Lorenzen beide im Titel angedeuteten Aspekte subtil heraus: Das Etüdenhafte ebenso wie der sinfonische Charakter in großer Akkordfülle. Nicht zuletzt verschafft das besondere Aufnahmeverfahren dieser SACD in Hybrid-Multichannel-Technik ein eindrucksvolles Hörerlebnis, dessen Brillanz und Klarheit überzeugen.
Irmgard Knechtges-Obrecht


WOCHEN-KURIER mit dem Heidelberger Amtsanzeiger, 13. Dezember 2006

An diesem Beitrag zum Schumann-Jahr 2006 ist etwas anders. Das spürt man schon in den ersten Takten des Faschingsschwankes aus Wien op.26; man hört es im Aufschwung, den Grillen und Traumes Wirren aus den Fantasiestücken op.12; und man merkt es schließlich in den Symphonischen Etüden op.13, daß Wolfram Lorenzen, der Interpret der neuesten Produktion aus dem Hause Troubadisc, nicht auf die heute so beliebte, hysterische Seite des Romantikers abhebt, der vor 150 Jahren in der Irrenanstalt von Endenich an den Folgen professioneller Hilfe starb. Worum sich der einstige Klavierschüler von Klaus Linder, Ludwig Hoffmann, Paul Badura-Skoda und Wilhelm Kempff statt dessen bemüht, das sind die verschiedenen Erscheinungsformen einer magnetischen Persönlichkeit, deren kompositorische Äußerungen eben nicht in der grell übertriebenen Darstellung sämtlicher Wahnsinns-Facetten erschrecken, sondern durch ein stilles, gleichbleibendes Leuchten und Glühen den Hörer anziehen und einladen, länger als nur einige Augenblicke zu verweilen. Von diesem Schumann weiß man nicht gleich alles; statt dessen man wird man nach und nach entdecken, daß etwas zu entdecken ist — um wieder und wieder zu hören, zuzuhören ...

Nachdem Wolfram Lorenzen gemeinsam mit dem Fanny Mendelssohn-Quartett eine umfangreiche Max-Reger-Edition eingespielt und bei TROUBADISC überdies Fanny Mendelssohns Klavierzyklus Das Jahr nach der autographen Fassung aufgenommen hat, bildet diese neue Produktion den Auftakt zu einer weiteren romantischen Reihe, die zunächst mit einer zweiten Schumann-CD fortgesetzt werden wird und dann unter anderem verschiedene Solowerke von Franz Schubert enthalten soll. Nach der jetzt vorliegenden Veröffentlichung kann man mit Recht darauf gespannt sein, wie vorteilhaft sich dieser Stil — hinter dem vor allem das interpretatorische Vorbild Wilhelm Kempff zu wirken scheint — auf zukünftige Vorhaben auswirken wird.


KLASSIK-HEUTE, 09.Januar 2007

Zu Ehren von Robert Schumanns 150. Geburtstag im Jahr 2006 erschien bei Troubadisc dieses Programm mit dem Freiburger Pianisten Wolfram Lorenzen als einem Interpreten, der sich schon verschiedentlich als Kenner der musikalisch-romantischen Zeitgeschichte bis hin zu den Kammermusikwerken von Max Reger erwiesen hat.

...Der Faschingsschwank, eine mutige, kraftvolle Interpretation, die im größeren Werkzusammenhang eine überzeugende Gesamtstimmung ergibt, mit schönen Momenten im gleichsam wachen Delirium der Romanze, mit genügend Elastizität für das Scherzino, mit gutem Sinn für die reibungsvollen Intervallminimalitäten im Intermezzo. Gute Werte an Innigkeit, an Zartheit (op.12 Nr.1 und 3), an dunkler Passion und rhythmischer Beherztheit (op.12 Nr.5 und 2) erzielt Lorenzen in den Fantasiestücken, deren für die Finger vier und fünf der rechten Hand so heikle Traumeswirren-Studie ihm flink von der Hand geht.

Die virtuosen Sinfonischen Etüden sind mit Tempo, mit Verve übermittelt und mit klarem Blick für den Text. Ein wertvoller, insgesamt hochsolider, verantwortungsvoller Beitrag zum Schumann-Jahr!
Peter Cossé





 
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Faschingsschwank aus Wien (Fantasiebilder) op. 26 (1829/40)
Fantasiestücke op. 12 (1837)
Zwölf Symphonische Etüden op. 13 (1834/36)

Wolfram Lorenzen, Klavier


Robert Schumann 1839

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wolfram Lorenzen