TROUBADISC Music Production
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TRO-CD 01432 - Moderne geistliche Musik aus Estland


Wochen-Kurier
mit dem Heidelberger Amtsanzeiger,
30. Januar 2008

Wenn die deutsche Gleichung vom Verhältnis zwischen Bosheit und fehlendem Gesangsrepertoire tatsächlich stimmen sollte, müßte Estland inzwischen aus mehrfachen Gründen überlaufen sein, denn das kleine Völkchen mit den großen Stimmen, der herrlich weiten Landschaft und dem unerhörten Sinn für eine Musik, in der sich Tradition und Neuerung nicht widersprechen – diese Menschen haben so viele Lieder, daß man sich ruhig dort droben, am nördlichsten Zipfel des Baltikums, niederlassen könnte.

Beeindruckend ist die Zahl der estnischen Komponisten, die sich in ihrer Heimat und inzwischen auch auf der internationalen Bühne einen Namen gemacht haben. Dabei ist Arvo Pärt, der Exilant, zwar gewiß der bekannteste, nicht aber einmal unbedingt der typischste Repräsentant – wenngleich seine kultverdächtigen »Tintinnabulismen« ohne die estnischen Wurzeln sicherlich undenkbar gewesen wären und er eben deshalb auch auf der neuen Troubadisc-CD nicht fehlen darf, die der Kammerchor der Orthodox Singers unter Leitung von Valery Petrov aufgenommen hat: Drei Sätze aus dem vor zehn Jahren entstandenen Kanon Pokajanen (»Kanon der Buße«) beschließen das hinreißend vielschichtige a cappella-Programm des kleinen, erlesenen Ensembles aus Tallinn, dessen Darbietungen vom ersten bis zum letzten Takt von einer Spiritualität geprägt sind, die den Begriff Neue geistliche Musik in einem über alle konfessionellen Grenzen hinaus strahlenden Licht erscheinen läßt.

Die Antiphonen, die Andres Uibo 2005 eigens für die »Orthodoxen Sänger« verfaßte, und die beiden hier
aufgenommenen Werke des berühmten Chorkomponisten Veljo Tormis – Am Kreuzweg (1991) und Kirchturmglocke in meinem Dorf (1978) – sind insofern symptomatisch, als sich in ihnen ein aus tiefen kulturellen Regionen emporsteigendes Selbstbewußtsein artikuliert, ein Widerspruchsgeist mitunter, der überhaupt nicht nach Mitleid schielt, sondern sich voller Stolz »dissidentisch« und national gebärdet: Gerade die Kirchturmglocke nach Worten des portugiesischen (!) Dichters Fernando Pessoa war zur Zeit der Sowjetherrschaft ein gesungenes Fanal, das den Machthabern im Kreml gar nicht schmecken wollte ...


music manual, das musikmagazin
März 2008

Zeitgenössische Sakralmusik aus Estland 
Von Arvo Pärt / Veljo Tormis / Andres Uibo

Flehentlich bittet Arvo Part in seinem Zyklus „Kanon der Buße" um Vergebung der Sünden. Glauben ist für ihn eine essentielle Zuflucht. Nach außen wendet sich Veljo Tormis, wenn er die „Turmglocke in meinem Dorf" durch ein Rezitativ vor mystischer Chorkulisse betrachtet, während Andres Uibo in archaischen „Antiphonen" Gotteslob intonieren lässt. So feiern die Orthodox Singers die neue Freiheit in Estland.
 
Bewertung: Höchste Bewertung (*****)
 

Muzyka21 Nr.6, Juni 2008

Das in Polen wenig bekannte Label Troubadisc hat eine CD der Orthodox Singers unter der Leitung von Valery Petrov mit Werken zeitgenössischer Komponisten aus Estland veröffentlicht.
Die CD beginnt mit den Antiphonen des Komponisten und Organisten Andres Uibo. Darauf folgen Am Scheideweg und Die Glocke aus meinem Dorf von Veljo Tormis. Die letzten drei Werke sind Sätze aus dem "Kanon der Buße" von Arvo Pärt.

Der estnische Chor unter Valery Petrov hat die wunderschönen Stücke sehr durchdacht interpretiert. Darstellung und Intonation sind hervorragend. Die Choristen beherrschen die technischen Anforderungen der Werke mustergültig und präsentieren bei der Interpretation eine große klangliche Palette.
Die Stimmen harmonieren miteinander, sind weich und intensiv gefärbt. Die Artikulation ist tadellos und fängt den Sinn der Texte genau ein. Dabei spielt es für die emotionale Wirkung keine Rolle, ob der Chor die Stücke auf Russisch oder Estnisch singt.

Es ist eine vortreffliche, wirkungsvolle Produktion auf hohem Niveau, ein interessantes Album, das die Begegnung mit estnischer Chormusik ermöglicht.
Stanislaw Lublinski
Höchste Bewertung (*****) 


Klassik heute, 24.06.2008

...die Orthodox Singers unter der Leitung von Valery Petrov sind zweifelsohne ein Chorensemble von Rang...


HarzKurier 3. Juli 2008

Kanon der Buße
Neue estnische Chormusik
 
(red). Wenn die deutsche Gleichung vom Verhältnis zwischen Bosheit und fehlendem Gesangsrepertoire tatsächlich stimmen sollte, müßte Estland inzwischen aus mehrfachen Gründen überlaufen sein, denn das kleine Völkchen mit den großen Stimmen, der herrlich weiten Landschaft und dem unerhörten Sinn für eine Musik, in der sich Tradition und Neuerung nicht widersprechen - diese Menschen haben so viele Lieder, daß man sich ruhig dort droben, am nördlichsten Zipfel des Baltikums, niederlassen könnte.

Moderne Geistliche Musik aus Estland bieten die Orthodox Singers. Sie wurden 1989 von Petrov gegründet und haben sich seither als eines der besten professionellen Chorensembles in Estland etabliert. Sie gewannen mehrere internationale Wettbewerbe und nehmen regelmäßig an Musikfestivals in ganz Europa.
  
 
NEUE CHORZEIT, Zeitschrift des Deutschen Chorverbandes, Juli/August 2008

Die Staaten am Baltikum verfügen über zahlreiche fantastische Chöre. So auch die „Orthodox Singers", die exemplarisch aufzeigen, was ein kleines Ensemble von elf Sängerinnen und Sängern zu leisten vermag. Der 1989 von Valery Petrov gegründete Kammerchor aus Estland begann mit einer Erforschung alter orthodoxer Gesänge, nahm sich später geistlichen Chorwerken großer russischer Komponisten an, und in den letzten Jahren widmete er sich zunehmend der zeitgenössischen orthodoxen Musik.
Besonderes Aufsehen erregten die Orthodox Singers beim Festival „Europa Cantat" 2004 in Tartu/Estland mit einem entsprechenden Programm.

Diese CD stellt a-cappella-Werke dreier bedeutender estnischer Komponisten vor. Die Bandbreite reicht von Uibos „Antiphonen" mit ihren Wechselgesängen zwischen Männer- und Frauenstimmen über Ausschnitte aus Parts meditativem „Kanon der Buße" bis hin zu Stücken von Veljo Tormis. Besonders vielschichtig ist sein „Kirchturmglocke in einem Dorf" nach Texten von Fernando Pessoa, die in englischer Sprache rezitiert werden, während der Chor immer neue Klangflächen erzeugt, begleitet von Glockenschlägen.

Die Orthodox Singers bewältigen die komplexen Partituren mühelos. Sie erfreuen mit vollem, Vibrato-armen Klang, voluminöser Tiefe, strahlender Höhe und großen dynamischen Kontrasten. Dieser Intensität vermag man sich nicht zu entziehen. Dem Münchner Label Troubadisc ist gar nicht genug für diese Begegnung zu danken.
Benjamin-Gunnar Cohrs


nmz Neue Musikzeitung, Juli/August 2008

Die Orthodox Singers wurden 1989 in Estland gegründet und sie widmeten sich zunächst der östlichen liturgischen Musik. Hört man Estland, dann braucht man sich um die Qualität des elfköpfigen Chores nicht zu sorgen. Und so ist es auch bei dem Ausflug zu zeitgenössischen Komponisten Estlands, deren Musik freilich, was die Klanglichkeit oder die Gestaltung der Zeit anbelangt, ohnehin auf alten Gesangskulturen ihrer Heimat beruht. Tragende, dahinschwebende Musik, Klang ohne Ränder, der Ewigkeit nahe...


MusicWeb, October 2008
http://www.musicweb-international.com

The Orthodox Singers here present a selection of a cappella music written by three contemporary Estonian composers of whom Pärt is obviously the best known internationally. Founded in 1989 by its conductor Valery Petrov this is a versatile group, attuned to widely differing stylistic calls from a large range of composers. Its primary focus however has always been early Orthodox chant and it’s natural that it has recently chosen to include contemporary Orthodox works as well. The usual suspects can be cited; Pärt, Tavener but also Valery Kalistratov. The ensemble consists of three sopranos, three altos, two tenors and three basses.
Andres Uibo’s Antiphones was written in 2005 for these forces. Uibo is an organist as well as a composer, and works in Tallinn, where he graduated in 1981. This is a work that has absorbed Old Church chant into its bloodstream and conjures up a subtle use of vocal groupings, pedal notes and opportunities for solo voices to penetrate the texture of the writing.

Though Pärt is the best known of the trio Veljo Tormis is the senior composer and At the Crossroads (1991) demonstrates yet again how masterful are his choral works. This is an excerpt from the epic poem The Three Journeys of Ilja Muromet. It exploits the powerful and sonorous basses of the Singers in a work that is, very much as was the Uibo, deeply saturated in antique sonorities. But striving and full-blooded it offers a powerful contrast with Uibo’s more quiescent work – here drama and flailing energy are the watchwords. Tower Bell in my Village is a much earlier Tormis work, completed in 1978. It uses old rural wedding songs and threnodies as well as bells and a reciter. Written at a time when Estonia was in thrall to the Soviet Union, and when that monolith was still engaged on a policy of cultural repression, Tower Bell in my Village evokes the values of cultural difference through the words of the Portuguese poet Fernando Pessoa – the reciter speaks the words in English by the way. It’s an important piece that builds incrementally to affirmative colour and choral shouts – exceptionally well performed all round.

Pärt’s contribution revolves around his 1996 work Canon of Repentance, from which we hear three movements. This uses an ancient Russian prayer book and its musical embodiment conforms to the sense of visionary simplicity that the composer so richly evokes. Given the stark text of Ode VI one finds that the music is consolatory in the extreme with a beautiful purity in the words of the Theotokion - “O Virgin Mother of God, protect me from evil visible and invisible.” The Prayer after the Canon is also eloquently expressive in Pärt’s finest and most artless way.

There are full texts and a pretty decent booklet. The performances are in every way worthy of the music.
Jonathan Woolf



To the rest of the west, Estonian choral music has been pretty much dominated by the name Arvo Pärt for the last decade and more. It doesn’t take much exploration to come up with some equally powerful composer however, though I had never come across Andres Uibo until now. An organist and conductor, Uibo is an energetic promoter of Estonian music abroad. His Antiphons were composed especially for the Orthodox Singers, and follows the tradition of performing psalms during the Orthodox liturgy. As such, the music gives us little by way of a ‘new sound’, especially when compared with Pärt’s own established treatment of this kind of music. The Antiphons are however effectively meditative and reflective, and have their own sense of timeless atmosphere.

Like Pärt, Veljo Tormis is another giant in the Estonian musical firmament, and his more distinctive style is immediately apparent from the start of At the Crossroads. The text is from a medieval epic Russian poem, the title of which alludes to the directions ancient character Ilya Muromets is given by a roadside stone - the choices of which seem to provide an intractable problem. The pulsing accompaniments and primal melodic shapes in the piece build slowly to a grand climax and a beautiful conclusion – the open intervals in the music refusing however to resolve into anything like a closed cadence. Tower Bell in my Village opens with; yes, you guessed it, the chimes of a bell. Sung in English, and with an English spoken text, there are some inflections and emphases which take a little getting used to, but the piece is actually quite a moving comment on the changes of modern times, a strange kind of surrealist nostalgia, and a dreamlike state of living. The sung voices provide a slowly changing but distinctive backdrop for the speaker over five parts, which create subtle changes in the colour and rhythmic variety in the voices.

I can understand why the translation was used for this recording, but can sense that something essential is lost from the rhythms in both the speech of the speaker and those of the choir in this English version. The directness of Tormis’s musical language allied to his uncompromising message is however a strong clue to the popularity of his work in Estonia, as well as abroad.

Anyone recording Arvo Pärt these days has to climb the mountain of a catalogue which is inhabited by the likes of the Hilliard Ensemble with Tõnu Kaljuste, Stephen Layton’s Polyphony, and Paul Hillier’s recordings with the Estonian Philharmonic Chamber Choir. The three Pärt pieces here come from his Kanon Pokajanen, the complete version of which is already well served by an ECM two-disc release with the Estonian Philharmonic Chamber Choir under the noble direction of Tõnu Kaljuste. The Orthodox Singers do well enough, but I’m afraid that their singing of these pieces is a litmus test of their performances on the rest of the disc. I find their sound rather woolly and soft-edged, lacking in the real dynamic contrasts of colour which the best Estonian vocalists seem able to produce. The recording is good enough however, and agreed, much of the music is gentle and contemplative, but the choir on this disc doesn’t ‘grip’ me in the way so many others do. There are some moments of precarious intonation as well, especially at extremes of range, and the choir’s generally dolorous tones made me feel a bit depressed, if the truth be known.

The Orthodox Singers are to be applauded for giving us a few rarely heard pieces on this release, and I do appreciate their technical abilities in terms of creating a genuinely soft dynamic and an atmosphere of religious devotion. Estonian choral music goes way beyond Arvo Pärt, and Paul Hillier’s ‘Baltic Voices’ series is an excellent place to start such an exploration. This disc will most certainly not put you off, but it may not inspire you in quite the same way either.
Dominy Clements




 
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Orthodox Singers

Andres Uibo, Antiphons (2005)
Veljo Tormis, At the Crossroads (1991), Tower Bell in my Village (1978)
Arvo Pärt, Kontakion, Ode VI, Prayer after the Canon (1996)

Valery Petrov, Leitung

Orthodox Singers
New York 2002 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Valery Petrov