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TRO-CD 01435 - ROBERT SCHUMANN-CLARA SCHUMANN


Große Klavierwerke von Robert und Clara Schumann

Robert Schumann war der überragende Komponist der deutschen Klavierromantik. Seine Frau Clara zählte zu den bedeutendsten Pianisten ihrer Zeit. Stark von ihm angeregt, schuf auch sie wundervolle Klavierwerke, doch als Komponistin hatte sie es schwer im Schatten ihres Gatten.

Wolfram Lorenzen, der als Pianist für die deutsche Tradition nach Wilhelm Kempff steht, vereint nun anlässlich Robert Schumanns 200. Geburtsjahr Kompositionen von Robert und Clara auf seiner neuesten CD bei Troubadisc. Er knüpft damit an seine vielgepriesene letzte Schumann-Einspielung an, die populäre Werke wie den ‚Faschingsschwank aus Wien’ mit weniger bekannten verband und von Peter Cossé in Klassik heute als „mutige, kraftvolle Interpretation“ und „wertvoller, insgesamt hochsolider, verantwortungsvoller Beitrag zum Schumann-Jahr“ gepriesen wurde.

Den Auftakt bildet Robert Schumanns genialisches Opus 1, die von Frische, Wagemut und Originalität überbordenen Abegg-Variationen von 1830. Er schrieb sie für eine verehrte Frau Abegg (das Thema auf die Tonbuchstaben A-B-E-G-G), über die er sich später geflissentlich ausschwieg. Schon hier bezaubert Schumann als Erneuerer der sich aus vielgestaltigen kleinen Episoden zusammensetzenden, mit einem zyklisch überhöhenden Finale schließenden anspruchsvollen Form.

Clara Schumann schrieb ihre einzige Klaviersonate in g-moll 1841-42. Zwei Sätze daraus stellte sie rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk für ihren Mann fertig, Adagio und Finale folgten noch im Januar. Im Druck ist zu ihren Lebzeiten nur das Scherzo erschienen, und es scheint, dass sie selbst das Werk unter Verschluss gehalten hat. So wurde die Sonate erst 1989 in Zwickau uraufgeführt und erschien 1991, 150 Jahre nach ihrem Entstehen, im Druck. Das 18-minütige Werk ist deutlich von Robert Schumann inspiriert und nimmt für sich ein mit schönen Melodien, feiner Faktur, klar balancierter Form und anmutigem Ausdruck. Die Ecksätze sind ambitionierter gestaltet, die beiden Mittelsätze feinfühlige Miniaturen.

Robert Schumanns Novelletten op. 21 entstanden 1838. Die acht Stücke können zwar teils auch einzeln gespielt werden, doch als Ganzes ergeben sie einen bunten Bilderbogen von symphonisch zusammenhängender Dimension, der in einem großen Finale aufgipfelt, das zugleich als Rekapitulation und Apotheose des Vorangegangenen fungiert. Schumann hat die Gattung der Novellette erfunden, als musikalische Miniaturform der literarischen Novelle, und andere (wie Niels Gade) folgten ihm darin nach. Diese Musik ist in engem Bezug zu Geschichtenerzählungen entstanden, die sowohl aus dem Leben gegriffen (der Widerstand von Claras Vater gegen die Ehe mit Robert) als auch der großen Literatur (Shakespeare) entnommen sind. Doch sind sie keine Programmmusik, weswegen Schumann alle außermusikalischen Hinweise wegließ. Sie sind beseelte Zeugnisse der romantischen Fantastik voller Geheimnisse, Irrationalität, visionärer Sehnsucht. Die Novelletten werden selten als ganzer, dreiviertelstündiger Zyklus aufgeführt und gehören in ihrer unerschöpflichen Hintergründigkeit zum Schönsten, was die romantische Epoche an Klaviermusik hervorgebracht hat.

Clara Schumann - Robert Schumann

Wolfram Lorenzen, piano

München: Troubadisc Musikproduktion, 2010 LC 6206,           TRO-SACD 01435

Eine weitere SACD in hochwertiger Hybrid-Multichannel-Technik mit Klavierwerken von Robert und nun auch Clara Schumann legt, Wolfram Lorenzen beim Label Troubadisc zum Jubiläumsjahr 2010 vor. Die von Clara Schumann ihrem Mann zum Weihnachtsfest 1841 überreichte, aus „Allegro" und „Scherzo" bestehende Sonatine erweiterte sie später um zwei Sätze zur Klaviersonate g-moll. In dieser Gestalt wurde das Werk erst 1989 in Zwickau uraufgeführt und von Gerd Nauhaus veröffentlicht. Wolfram Lorenzen umrahmt es auf seiner CD mit Robert Schumanns Abegg-Variationen op. 1 und den Novelletten op. 21. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination, die aber bei näherem Hinhören durchaus reizvolle Aspekte bietet.

Das rauschend-schwungvolle Variationenwerk über die Töne A-B-E-G-G, Schumanns Erstling, mit dem er sich an die Öffentlichkeit traut, zeigt einmal mehr seine Vorliebe für ebenso geheimnis- wie effektvolle Buchstabenspielereien. Jene als Tonbuchstabenlieferantin angegebene Widmungsträgerin seines Opus 1, „Mademoiselle Pauline Comtesse d'Abegg", scheint es nämlich in der Realität nicht gegeben zu haben. Möglicherweise meint Schumann die bildhübsche, aber bürgerliche Kaufmannstochter Meta Abegg aus Mannheim, die er auf einem Ball kennenlernte. Über die Art seiner Beziehungen zu der jungen Dame lässt er uns im Ungewissen, bereichert die Musikwelt in jedem Fall aber um eine großartige Komposition. Wolfram Lorenzen findet in seiner Interpretation gerade den passenden Stil: technisch bravourös, aber dennoch mit aller gebotenen Leichtigkeit.

Mit großer Experimentierfreude nähert sich Clara Schumann in ihrer Klaviersonate g-moll der mehrsätzigen zyklischen Form. Neue Formkonzepte und eine veränderte Bedeutung des thematisch-motivischen Materials führen zu einem bemerkenswerten Werk, dessen Qualitäten auch der gestrenge Ehemann positiv herausstrich. Nur das anmutig-tänzerische „Scherzo" wurde zu Lebzeiten der Komponistin veröffentlicht und erfreute sich hoher Beliebtheit. Auch hier findet Lorenzen einen angemessenen Stil: einfühlsam, die subtil geformten Strukturen transparent nachzeichnend und klangschön. Da begeistert insbesondere das als veritabler Kehraus angelegte Schluss-Rondo!

Die Novelletten op. 21 sind ein weiteres Beispiel für Schumanns Freude an Chiffren, Anagrammen und Wortspielereien. „. ..weil du Clara heißest und Wiecketten nicht gut genug klingt", begründet er seiner Braut Clara Wieck gegenüber den in Anlehung an die englische Sängerin Clara Novello geschaffenen Titel. Die Novello machte in der Saison 1837/38 in Leipzig Furore, insbesondere mit ihren Händel-Interpretationen, und beeindruckte Schumann sehr. In einem geschickten Kunstgriff bezieht sich Schumann aber gleichzeitig auf die literarische Gattung der Novelle, durch deren Diminutiv er den wohl deutlichsten Hinweis auf den erzählenden Charakter der acht Klavierstücke gibt. Hier kann der Pianist aus dem Vollen schöpfen: glanzvoll-virtuose Passagen, die höchstes technisches Können erfordern, stehen neben lyrisch-getragenen, in denen Kantabilität und Ausdruckstiefe gefragt sind.

Wolfram Lorenzen arbeitet in allen Stücken die gefragten Aspekte adäquat heraus, das besondere technisch hochwertige Aufnahmeverfahren verleiht Brillanz und Klarheit darüber hinaus den letzten Schliff.

Irmgard Knechtges-Obrecht





 
letzte Änderung

(18.07.2014 - 16:25 Uhr)

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Robert Schumann, Abegg-Variationen op.1 (1830)
Clara Schumann, Sonate g-Moll (1841)
Robert Schumann, Novelletten op.21 (1838)

Wolfram Lorenzen, Klavier


Wolfram Lorenzen

  

 

 

 

Clara Schumann

  

 

 

Robert Schumann