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TRO-CD-01446 - Anatol Vieru Vol.1 - Symphonie VI "EXODUS" - Memorial

Welt-Ersteinspielungen

Anatol Vierus sechste Sinfonie Exodus entstand in einer Endzeit: unmittelbar vor dem Zusammenbruch des Regimes, das mit dem Namen des Diktators Nicolae Ceauşescu verbunden wird:

Sie wurde zwischen 1988 und 89 komponiert und ist durch die Atmosphäre jener Epoche beeinflusst. Je mehr ich mich sorgte, desto offenkundiger erschien mir, dass um mich herum ein Exodus stattfindet, ein mentaler Exodus für die einen, ein realer, physischer Exodus für die anderen. Ich habe diesen Eindruck des Auszugs auf die Welt übertragen, die ich täglich durch den Wortstrom, der von den verschiedenen Radiosendern ausgestrahlt wurde, aufgesaugt habe. Das Bild des Exodus scheint mir das Emblem dieses bewegten Jahrhunderts zu sein. (Anatol Vieru)

Der Titel Exodus passt zur Thematik der eindringlichen Musik. Zur Charakterisierung von Anatol Vierus realem Leben eignet sich der Begriff allerdings nicht. Vielmehr ist genau das Gegenteil der Fall. Dem 1998 gestorbenen rumänischen Komponisten war es zeitlebens daran gelegen, einen Platz in der Gesellschaft seines Heimatlandes zu finden und von dort aus durch seine Musik zu wirken. Frühe internationale Erfolge haben geholfen, diesen Lebenstraum zu verwirklichen. 1962 wurde ihm – als erstem Rumänen nach dem zweiten Weltkrieg – ein internationaler Kompositionspreis zugesprochen: In Genf gewann er für sein erstes Cellokonzert den Prix International Reine Marie-José. Seither hat seine Musik Grenzen überwunden. Das gilt auch für die Zeit des „Eisernen Vorhangs“, als sie von der UdSSR bis hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika gespielt wurde. Und das ist beachtlich.

Anatol Vieru war nicht nur den allgemeinen Widrigkeiten ausgesetzt, die einer internationalen Präsenz entgegenstanden. Zensur, Reisebeschränkungen, ideologische Vorgaben und Überwachung betrafen schließlich alle seine Kollegen, die – wie er auch – nur als Mitglieder des halbstaatlichen Rumänischen Komponistenverbandes arbeiten konnten. Im Fall von Anatol Vieru hat sich auch das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Rumäniens tief in sein Leben – und mittelbar auch in seine Musik – eingeschrieben.

Aber Vorsicht ist geboten mit vorschnellen Zuschreibungen. Sein ganzes Leben lang hat sich Vieru gegen Vereinnahmungen verwehrt. Auch gegen die Versuche, ihm aufgrund seiner familiären Herkunft eine jüdische Identität zuzuschreiben. Für ihn sollte die Welt – und die Musik – offen bleiben für Veränderungen. Deswegen hat er sich auch den durch die Massenmedien beschleunigten Modeerscheinungen verweigert: der Reduktion der kompositorischen Tätigkeit auf ein wiedererkennbares Markenzeichen, wie auch der für viele westliche Komponisten typischen entgrenzten Subjektivität, bei der die persönlichen Empfindungen und Wahrnehmungen zum Maß aller Dinge werden.

Diese Grundhaltung hatte auch direkte Auswirkungen auf die Gestaltung seiner Musik. Anatol Vieru war gegen eine Verselbständigung des Klangs, der für ihn nur die Oberfläche der Musik bildete, das Make-up für eine gut gedachte Struktur von objektiver Qualität. Paradoxerweise ist es ihm genau deswegen gelungen, in seinem symphonischen Œuvre einzigartige Klangbilder zu erzeugen.

Seine sechste Sinfonie Exodus ist ein Werk von enormer Dimension: die vier Sätze, von denen jeder für sich ein in sich geschlossenes symphonisches Werk darstellt, dauern insgesamt eine Stunde. Anatol Vierus kreative Energie zeigt sich insbesondere in dem Aspekt, zunächst Disparates oder Widersprüchliches in einen plausiblen musikalischen Zusammenhang zu stellen und so kulturelle und historische Grenzen zu überwinden.

Das wird schon im ersten Satz Tangochaconna erfahrbar, in dem er eine Tanzmusik, die auf der anderen Seite des Atlantiks aus der Sehnsucht europäischer Emigranten geboren wurde, mit einer barocken Variationsform zusammenführt. Den zweiten, titelgebenden Satz Exodus begreift Vieru als symphonisches Poem, in dem deutlich getrennte Klangschichten und Gesten kontrastreich aufeinander treffen, sich überlagern, hart gegeneinander gestellt werden, bis die Musik auseinander strebende Kräfte entwickelt.

Der dritte Satz San Antonio de la Florida bezieht sich auf die Fresken des spanischen Malers Francisco de Goya, die in Madrid eine diesem Heiligen gewidmete Kirche schmücken. In den Bildern, die Anatol Vieru ein Jahr vor der Arbeit an der sechsten Sinfonie bei einem Besuch in der spanischen Hauptstadt gesehen hatte, erahnte er einen immanenten Konflikt zwischen Individuum und einer nicht kontrollierbaren Menge. Ein Konflikt, der sich auch in der Musik abbildet: Eine psalmodierende Melodie wird nicht nur gegen einen marschartigen Rhythmus gesetzt. Die beiden musikalischen Grundelemente werden so stark verformt, dass eine ausgleichende Synthese kaum noch möglich erscheint. Der letzte Satz Soare palid (Bleiche Sonne) bringt nach den vorangegangenen spannungsreichen Sätzen „keine Katharsis, aber doch wenigstens eine Erleichterung, einen Schatten der Hoffnung“, wie es Anatol Vieru in einem Text über dieses Werk formulierte.

In seiner Musik gibt Anatol Vieru die vertraute Haltung symphonischer Musik, in der eine Menge instrumentaler Stimmen zu einer einheitlichen Geste zusammengeführt werden, zugunsten einer widersprüchlichen Gleichzeitigkeit auf: Die Musiker agieren noch zusammen, artikulieren aber nicht mehr eine uniforme, gemeinsam vorgetragene Idee.
Dadurch manifestiert sich ein Zweifel daran, ob es überhaupt ein ideologisches Fundament geben kann, das die Menschen dazu befähigt, als solidarische Gemeinschaft zu handeln. In Anbetracht der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts erscheint dieser Zweifel berechtigt.

Anatol Vieru wurde 1926 in der Provinzhauptstadt Iaşi geboren. Mit fünfzehn Jahren überlebte er das dortige Massaker, eines der grausamsten Kapitel der rumänischen Beteiligung am Holocaust. Nachdem der Versuch, die Bevölkerung zu einem Pogrom aufzuhetzen, nicht das gewünschte Ergebnis gezeigt hatte, wurden Ende Juni 1941 alle männlichen Juden im Hof der Polizeipräfektur einbestellt. Einige Tausend wurden direkt dort erschossen. Die Überlebenden verfrachtete man in die so genannten Todeszüge, die zwar offiziell zu verschiedenen Zielen unterwegs waren, aber in Wirklichkeit auf den Strecken oder in winzigen Bahnhöfen angehalten wurden und dort tagelang abgeschlossen stehen blieben, bis die darin eingesperrten Menschen an den Folgen von Hitze, Hunger und Durst gestorben waren. Um die 13.000 Menschen wurden so innerhalb weniger Tage ermordet.
Zeitlebens hat sich Anatol Vieru weder zu seiner jüdischen Herkunft, noch zum Massaker geäußert. Die Entscheidung, darüber zu schweigen, war aber nicht nur persönlich motiviert, sondern hatte auch mit der politischen Situation zu tun.

Am 3. Dezember 1947 wurde die Kommunistische Volksrepublik Rumänien ausgerufen. Ähnlich wie die DDR war sie dem Selbstverständnis nach ein antifaschistischer Staat. Als Kompensation der schrecklichen Ereignisse durften jüdische Rumänen in der Gründungsphase vielfach in bevorzugter Weise an der Etablierung der neuen Gesellschaftsform mitwirken. Die rumänische Beteiligung am Holocaust passte aber nicht zur offiziellen Geschichtsschreibung – und wurde in den folgenden Jahrzehnten konsequent ausgeblendet. Bis heute lässt sich in Rumänien in der breiten Öffentlichkeit keine objektive Debatte über die rumänische Beteiligung am Holocaust und die Rolle der jüdischen Rumänen in den ersten Jahren der Volksrepublik führen. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, die Juden hätten Schuld an der Etablierung des kommunistischen Regimes. Tatsächlich engagierten sich viele jüdische Rumänen in den ersten Jahren der Volksrepublik für den Aufbau einer neuen Gesellschaft. Auch Anatol Vieru beteiligte sich daran: Er schrieb Musikkritiken und dirigierte Werkschöre. Voller Enthusiasmus komponierte er zündende Massenlieder, mit denen der Bevölkerung der Geist der neuen Gesellschaft vermittelt werden sollte.

Wie viele Rumänen jüdischer Herkunft war Anatol Vieru schon vor der Gründung der Volksrepublik in die damals noch illegale Kommunistische Partei eingetreten: denn deren Ideale versprachen eine objektive Grundlage für eine andere, bessere Gesellschaft, die den jüdischen Rumänen endlich eine gleichberechtigte Stellung gewähren sollte. Diese Entscheidung muss in einem größeren historischen Kontext gesehen werden: Obwohl die 1866 in Kraft getretene Verfassung in der ursprünglichen Fassung die Emanzipation der Juden vorsah, wurden doch nur ungefähr 800 ausgewählten Individuen die rumänische Staatsbürgerschaft zugestanden. Erst in Folge des ersten Weltkriegs (und aufgrund internationalen Drucks) wurde 1923 eine neue Verfassung ausgearbeitet, die es den jüdischen Rumänen nun ermöglichte, die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Aber schon ab 1938 wurden antisemitische Gesetze erlassen, die die gesellschaftliche Teilhabe wieder einschränkten.

Anatol Vieru ergriff nicht nur die Chancen, die ihm die Volksrepublik Rumänien bot. Nach Abschluss seines Studiums am Bukarester Konservatorium ging er 1951 nach Moskau, um dort bei Aram Khachaturian weiter zu studieren. In dieser Zeit kamen ihm die ersten Zweifel an der Tragfähigkeit der kommunistischen Ideale. Ein langer Prozess der zunehmenden Entfremdung begann, der sich in die Struktur seiner Musik einschrieb. Seine 1967 geschriebene erste Symphonie hat mit den an die Komponisten herangetragenen ideologischen Vorgaben nichts mehr zu tun. In diesem Werk mit dem Titel Ode an das Schweigen wird seine gesamte, bis zu diesem Zeitpunkt geschriebene Musik in einem massiven Block von 61 Tönen eingefroren. Die daraus resultierende lärmende Klangmasse wird anschließend solange mit größer werdenden Pausen bearbeitet, bis nur noch eine beredte Stille übrigbleibt.

Liest man heute die über die Aktivitäten des Rumänischen Komponistenverbandes angelegten Dossiers der Securitate, wird deutlich, dass die antisemitischen Ressentiments weiterhin existierten. Allerdings war die Situation jüdischer Rumänen in der Zeit des Kommunismus ambivalent. Jüdisches Leben war nicht nur erlaubt, sondern wurde offiziell unterstützt: Die Synagogen waren geöffnet, es gab eigene Verlage und Zeitungen. Bis heute ist Rumänien – außer Israel – das einzige Land der Welt, das ein jüdisches Staatstheater unterhält. Aber von Beginn an wurde auch die Auswanderung gefördert. Und die rumänische Beteiligung am Holocaust blieb – bis über die Wende hinaus – ein gesellschaftliches Tabu.

Nur ein einziges Mal hat Anatol Vieru auf dieses Thema Bezug genommen: Das 1991 in Israel uraufgeführte Werk Memorial ist den Opfern des Holocausts gewidmet. Im Vergleich zur sechsten Sinfonie Exodus ist das Werk nicht nur kürzer, sondern auch kleiner dimensioniert.
Die Musik thematisiert die Gegensätze von Gemeinsamkeit und Individualität, von Zugehörigkeit und Abweichung, die sich vor allem in der Organisation der Tonhöhen manifestieren. Diese grundlegende kompositorische Technik fasste Vieru in einem scheinbar nüchternen, übergreifenden System zusammen: der Mengenlehre der Modi.

Das modale Komponieren ist typisch für osteuropäische Komponisten, insbesondere für die Rumänen, die diese Technik im Allgemeinen aus der Tradition der Volksmusik ableiteten. Für Anatol Vieru ging es aber nicht um die Herkunft dieser kompositorischen Methode, sondern um die operativen Möglichkeiten dieser Technik, mit denen Prozesse der Abweichung, Divergenz und Überschneidung dargestellt werden können.

In Memorial wird das von den ersten Takten an erfahrbar, wenn sich die solistisch geführten Bläser und die einzelnen Streichergruppen auf unterschiedliche, aber doch aufeinander bezogene Weise im Tonraum ausbreiten, bis es schließlich zu Verschmelzungen von diatonischen, chromatischen und mikrotonalen Elementen kommt – als Sinnbild für die Koexistenz unterschiedlicher Seinsformen: eine mit Klängen gestaltete Utopie.

Thomas Beimel 2014


Welt-Ersteinspielung von Anatol Vieru's Sechster Sinfonie bei TROUBADISC

JACQUES DRILLON im Nouvel Observateur Paris über dieses außergewöhniche Ereignis

Der rumänische Komponist Anatol Vieru (1926–1998) hat seine sechste (und vorletzte) Symphonie „Exodus“ in der Zeit unmittelbar vor Ceaușescus Sturz geschaffen. Dieses Werk von gewaltigen Ausmaßen (Dauer : beinah eine Stunde) bezwingt durch den ebenso gewaltsamen wie sarkastischen Charakter, der unter totaler Herrschaft entstandenen Werken oft eigen ist. Die zahllosen Grundgedanken drängen, brechen hervor, geben bisweilen einem durch nichts zu lindernden Leiden Ausdruck. An einzelnen Stellen weitet sich der Horizont zur Wüste : die Musik dringt durch, erschüttert, entfaltet Visionen.

Übersetzung: Ferdinand Leopold


NZ 4-2015
Empfehlung

ANATOL VIERU
SYMPHONIE VI EXODUS | MEMORIAL

Romanian Radio Symphony Orchestra, Horia Andreescu; Romanian Radio Chamber Orchestra, Ludovic Bács

Troubadisc TRO-CD 01446

Kommt die Rede auf Komponisten aus Rumänien, so fällt allenfalls der Name George Enescu (1881–1955). Der Großmeister der nächsten Generation, Anatol Vieru (1926–98), ist hierzulande eher unbekannt. Umso notwendiger die hervorragende Edition seiner 6. Symphonie op. 112.

Anatol Vieru stammt aus der Stadt Iaşi in der Landschaft Moldau, wo er mit 15 Jahren eines der grausamsten Massaker des mit Hitlerdeutschland alliierten Regimes überlebte. Doch äußerte er sich zeitlebens weder zu seiner jüdischen Herkunft noch zu dem Pogrom. Die rumänische Beteiligung am Holocaust passte nicht ins Geschichtsbild der kommunistischen Volksrepublik, die ihm ein Studium bei Aram Chatschaturjan in Moskau ermöglichte. Nur ein einziges Mal rührte Vieru an den blinden Fleck: mit dem 1991 in Israel uraufgeführten Kammerorchesterstück Memorial op. 118, das er den Opfern des Holocaust widmete. In dem er diatonische, chromatische und mikrotonale Klangelemente nach und nach verschmilzt, gibt er der Utopie Raum, die Lessing einst in die Ring-Parabel Nathans des Weisen kleidete.

Wer die (dem russischen Dirigenten Gennady Rozhdestvensky zugeeignete) 6. Symphonie Exodus zum ersten Mal hört, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Obgleich sie sich fast eine Stunde Zeit nimmt – jeder Satz wirkt zunächst wie eine Tondichtung für sich –, langweilt sie keinen Augenblick. Unversehens überträgt sie ihren weiten Atem, ihre epische Gelassenheit, aber auch die Schauer des dritten Satzes auf den Hörer. Auch und nicht zuletzt dank der gewissenhaften Probenarbeit des Dirigenten Horia Andreescu mit dem hervorragenden Sinfonieorchester des rumänischen Rundfunks.

In der Umbruchszeit 1988/89 komponiert, die er als teils mentalen, teils physischen Exodus erlebte, schöpft das Werk im Wesentlichen aus drei Quellen: dem Alten und Neuen Testament, den Fresken von Francisco José de Goya und zwei Essays des rumänischen Schriftstellers Vintilă Horia, der 1945 emigrierte. Dazu der Komponist (aus dem Französischen übertragen):

«Ich war damals berührt von einigen seiner Aufsätze. Der eine, über den Tango, ließ den leichten Schauder [frisson] spüren, der dem Genre regional und weltweit anhaftet. Der erste Satz der Symphonie, ‹Tangochaconne› (33 Variationen), vereint zwei spanische Gattungen. Der zweite Satz, der vielleicht aus dem biblischen Anklang [des Titels] Exodus Vorteil zieht, ist eine sinfonische Dichtung. Ein anderer Essay beeinflusste den dritten Satz. Während Horia über Goyas Fresko San Antonio de la Florida spricht [so der Titel des 3. Satzes], lenkt er die Aufmerksamkeit auf die herdenartige Menge, die für die Predigt des Heiligen nur Hohn und Spott übrig hat. Im Jahr zuvor hatte ich in der Kirche zu Madrid ihre furchtbare Verbissenheit erfahren. Die Anspannung des dritten Satzes findet im letzten Teil ‹Soleil pâle› [Bleiche Sonne] zur Ruhe – wenn nicht Katharsis, so doch Entspannung, ein Schatten von Hoffnung.»

Triftiger könnte man das innere Programm der Symphonie Exodus kaum kennzeichnen.

Lutz Lesle


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Anatol Vieru (1926-1998)

Symphonie VI "Exodus" op. 112 (1988/89)

Rumänisches Radio-Sinfonieorchester
Leitung: Horia Andreescu
Welt-Ersteinspielung

Memorial op. 118 (1990)

Rumänisches Radio-Kammerorchester
Leitung: Ludovic Bács
Welt-Ersteinspielung
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JACQUES DRILLON im Nouvel Observateur Paris über dieses außergewöhniche Ereignis Der rumänische Komponist Anatol Vieru (1926–1998) hat seine sechste (und vorletzte) Symphonie „Exodus“ in der Zeit unmittelbar vor Ceaușescus Sturz geschaffen. Dieses Werk von gewaltigen Ausmaßen (Dauer : beinah eine Stunde) bezwingt durch den ebenso gewaltsamen wie sarkastischen Charakter, der unter totaler Herrschaft entstandenen Werken oft eigen ist. Die zahllosen Grundgedanken drängen, brechen hervor, geben bisweilen einem durch nichts zu lindernden Leiden Ausdruck. An einzelnen Stellen weitet sich der Horizont zur Wüste : die Musik dringt durch, erschüttert, entfaltet Visionen.
Anatol Vieru