TROUBADISC Music Production
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TRO-CD 01404 - Grazyna Bacewicz


Der Landbote,
Winterthur 10.Mai 1997

Mit der Gründung des Fanny Mendelssohn Quartetts im Jahre 1986 haben sich zwei seiner Mitglieder gleichzeitig das Ziel gesetzt, eine Schallplattenfirma ins Leben zu rufen, die sich in erster Linie der Förderung von Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhundert widmet.

Nachdem das aus Renate Eggebrecht-Kupsa, Wera Treumann-Jestl, David Cann und Friedemann Kupsa bestehende En-semble auf dem eigenen Label TROUBADISC (München) mit international stark beachteten Einspielungen  von kammer-musikalischen und vokalen Werken der Komponistinnen Nadia Boulanger, Fanny Mendelssohn, Ethel Smyth und Germaine Tailleferre sein Engagement für schöpferische Frauen bewiesen hat, verdient es einer Streichquartettproduktion wegen besondere Beachtung.

Es hat nämlich die künstlerisch wertvollsten Gattungsbeiträge einer polnischen Musikerin eingespielt, von der kein geringerer als Witold Lutoslawski meinte: „Diese Vorstellung von ihr als einer Künstlerin und von ihrem gleichzeitig humanen Dasein sollte eine Anregung für die Komponisten in Polen und der ganzen Welt sein.

Eine Avantgardistin
Grazyna Bacewicz (1909-1969), ursprünglich zur Geigerin ausgebildet und als weitgereiste Violinvirtuosin lange Zeit erfolgreicher denn als Autorin eines umfangreichen sinfonischen, konzertanten und vor allem kammermusi-kalischen Œuvres, hatte ihre kompositorische Ausbildung bei Nadia Boulanger in Paris abgeschlossen und sich nach ihrer Rückkehr in die polnische Heimat  vom Neoklassizismus  zugunsten einer ausdrucksbetonten und klanglich experi-mentierfreudigen Tonsprache gelöst.

In den sechziger Jahren gehörte sie zusammen mit Tadeusz Baird, Witold Lutoslawski, Krzysztof Penderecki und Kazimierz Serocki zu den herausragenden Repräsentanten der „Polnischen Schule“, auf deren Weiterentwicklung  sie einen großen Einfluß ausübte.

Steht das – 1952 mit dem 1. Preis des « Concours International de Composition pour Quatuor à Cordes » in Liège ausge-zeichnete – 4. Quartett mit seinen motorischen Grundzügen noch in der neoklassizistischen Tradition der meisten polnischen Werke aus jener Zeit, so markiert das in Ersteinspielung vorliegende 6. Quartett von 1959/60 den Übergang zur seriellen Musik Webernscher Prägung, weist aber den für Grazyna Bacewicz typischen  Reichtum an nuancierten Klangfarben, architektonisch subtiler Gliederung und rhythmischen Feinheiten auf.

Die vielen Glissandi, die häufig kanonartig einsetzen und gespenstisch heulende Klänge erzeugen, lädt das Fanny Mendelssohn Quartett im selben Maße wie die geräuschhaften Tremoli mit einer Expressivität auf, die selbst in den eng miteinander verzahnten Mikrostrukturen noch gut hörbar bleibt.

Im pizzikatoreichen Finale im Sechsachteltakt schimmern Spielmuster aus der polnischen Volksmusik durch, bevor terrassenförmig auf- und absteigende Glissandi einsetzen und dem musikalischen Element ein expressives gegenüberstellen.

Mit überraschenden Perkussiveffekten und wiederholter Autonomie der vier sehr differenziert gespielten Stimmen wartet das 7. und zugleich letzte Streichquartett (1965) der polnischen Avantgardistin auf.

Gestalterische Brillanz verknüpfen die Interpreten hier mit seht beeindruckender Klangintensität und werden dieser unruhigen, unter die Haut gehenden Ausdrucksmusik auf exemplarische Weise gerecht.

Das sehr informative Booklet enthält nebst einem hervor-ragend konzentrierten Einführungstext von Hartmut Lück mehrere Notenbeispiele und bibliographische Hinweise.
Walter Labhart


Neue Zürcher Zeitung
 Nr.43, 21.2.1997
Herbes Espressivo

In Polen gibt es im Verhältnis mehr Komponistinnen als in anderen Ländern; das ist unter anderem einer Pionierin zu verdanken: Grazyna Bacewicz  (1909-1969), die mit zu den bedeutendsten Musikschaffenden Polens in unserem (20.) Jahrhundert gehört. Das Fanny Mendelssohn Quartett vereinigt die drei Streichquartette Nr.4, 6 und 7 auf einer Compact Disc.

Im vierten Quartett (1950) begegnen wir einer Musikerin, die im Neoklassizismus verwurzelt ist (Bacewicz hatte unter anderem bei Nadia Boulanger studiert), aber durch die Eigenständigkeit und Sicherheit, mit der sie dies Ausdrucksmittel beherrscht und in Bewegung hält, überrascht. Manches andere, bekanntere Stück des Stils wirkt daneben blaß. Doch Bacewicz ist nicht stehengeblieben.

Das sechste Quartett (1959/60) unternimmt eine gewagte Synthese der neoklassizistischen Errungenschaften mit postseriellem Idiomen: ein eigentümliches, starkes Stück, dessen Klarheit und herbes Espressivo heute im Konzertsaal wieder eine Chance hätte. Und noch einen Schritt weiter führt das kantige Quartett Nr.7 (1965), in welchem sich die Tradition der großen Quartette Beethovens und Bartóks mit einem ganz gegenwärtigen und sehr persönlichen avantgardistischen Anspruch verbindet.
azn.


The Musical Times,  Nov. 1993

Grazyna Bacewicz, a pupil of Nadia Boulanger, is represented by a more coherent programme comprising the Fourth, Sixth and Seventh string quartets.

The Fourth seems to me the most successful. Written in 1950 in a style which still shows tonal roots, it is nevertheless a wholly original work, with poised melodies (one soaring in harmonics above a sul ponticello tremolo in the last movement), and a clear, unambiguous structure, articulated by the ebb and flow of everchanging but integrated textures.

The Sixth and Seventh are much more difficult works. Bacewicz  was a formidable professional violinist and it shows: both quartets contain all the tricks in the book by way of glissandos and tremolos and stopped harmonics; the textures are fascinating, and the motifs skilfully assembled.

But Bacewicz did not need invoke serialism to solve problems of coherence, and all the atonality does is to remove the remarkable melodies. All three works are given a stunning performance by the Fanny Mendelssohn Quartet.
Patricia Howard


Classic CD, April 1993

Grazyna Bacewicz is almost unknown in the West even though in her native Poland she is regarded as the most significant composer of the generation between Szymanowski und Lutoslawski. She was also an enormously  talented violinist who studied with Carl Flesch and won the Wieniawski competition in 1935.

Consequently much of her best writing is for strings. Her earlier work presents a romantic sensibility held in check by a neo?classical training -  under Nadia Boulanger – but in her Fourth String Quartet textures become richer and there is more emphasis on mood, indeed one moment of the Andante seems to anticipate the sonorous minimalism of Arvo Pärt.

The Sixth Quartet works less well, partially because it is one of her first attempts to assimilate avant?garde devices into her existing musical language. This comes off better in the Seventh Quartet, an acerbic and concentrated work given a spirited performance by the Fanny Mendelssohn Quartet…
Joe Staines


Fanfare, July/August 1993

Grazyna Bacewicz (1909-69) was a leading Polish composer of the post-World-War I era, “the brightest and most talented representative of neo-Classicism in Poland” (Linda Rappaport-Gelfand: Musical Life in Poland: "The Postwar Years 1945-1977").

A violinist herself, Bacewicz’s compositions centered around string instruments; prominent among her output are seven string quartets, many sonatas, and seven violin concertos. An attractive feature of these three quartets is their variety; each is quite different from the others.

The Fourth Quartet is melodic and almost tonal; hints Debussy appear in near?modal sections, and a spirit of French impressionism prevails. The Sixth employs serial elements, but its colors are closer to Bartók than Schoenberg; it employs many glissandos and other coloristic effects.

The Seventh is rhythmically incisive and strongly virtuosic; formal constrains fade over the fifteen?year span, yet the Seventh Quartet is the tightest and most unified of the three. These are impressive works from an original mind, and they bear many hearings well. The performances by the Fanny Mendelssohn Quartet do Bacewicz justice…
James H. North


Classica, Juillet/Août 1999

La compositrice polonaise Grazyna Bacewicz débuta une carrière de violiniste virtuose avant de se consacrer à la composition dès 1955. On est tout  d’abord frappé par l’originalité de sa personnalité qui intègre tant de styles dans ces trois partitions, composées entre 1950 et 1965.

L’écoute du Quatuor n°4 est révélatrice de sa passion pour les musiques folkloriques, qui ne semblent être que des prétextes à un finale aux cordes « à vide ». Cette musique pointilliste, particulièrement resserrée et souple à la fois, diffuse de subtiles couleurs.

L’univers irisé de Szymanowski est tout proche. Le contrepoint complexe et les timbres automnaux suggèrent une immense et pudique tristesse, comme un sens du mouvement qui s’échappe dans des spirales de glissandi.

Si ces dernières sont érigées presque en système, cela n’est jamais lassant. On songe à Chostakovitch, Ligeti, Bartók ou Schnittke dans les deux derniers Quatuors.  Les interprètes refusent un jeu acide et trop démonstratif. Leur précision et leur justesse sont parfaites, et ils témoignent d’une volonté d’expressivité et d’élégance louable. Une parution d’autant plus appréciable que la seule version de ses œuvres, par le Quatuor Bacewicz, n’est plus disponible.
Stéphane Friédérich





 
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Streichquartett Nr.4 (1950)
Streichquartett Nr.6 (1959/60)
Streichquartett Nr.7 (1965)

Fanny Mendelssohn Quartett

 

 

 

 

 

     


Grażyna Bacewicz

 

 

 

 

 

 

 

 


Grażyna Bacewicz  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„... die Mannigfaltigkeit heutiger Musik und das Tempo ihrer Entwicklung ist begeisternd. Es ist nicht nur Experimentieren oder das Bestreben neue Formen zu finden, wie einige sagen. Es gibt in der zeitgenössischen Musik durchaus einige echte und große Komponisten. Die sogenannten Avantgardisten beeinflussen zweifellos die ‚mainstream’-Komponisten, die das reizvoll finden. Gelegentlich wechselt ein mehr traditioneller Komponist zur Avantgarde. Ich stimme nicht mit denen überein, die behaupten, daß eine Komponistin, sobald sie ihren eigenen Stil entwickelt hat, daran festhalten sollte. Mir ist eine solche Ansicht völlig fremd: sie verhindert weitere Entwicklung und weiteres Wachsen. Jede heute vollendete Komposition wird morgen zur Vergangenheit gehören. Eine progressive Komponistin sollte sich nicht selbst wiederholen. Sie sollte nicht nur ihr Schaffen vertiefen und verbessern, sondern auch den Schaffensbereich erweitern. Ich glaube, daß in meiner Musik, auch wenn ich mich nicht unbedingt für innovativ halte, eine ganz bestimmte Richtung der Weiterentwicklung zu erkennen ist.“ 
Grazyna Bacewicz