TROUBADISC Music Production
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TRO-CD 01409 - TRO-CD 01410 - TRO-CD 01411 - Darius Milhaud - Edition

Vol.1-3

Jüdische Rundschau Nr.24
Basel 13.06.1996
Die jüdische CD der Woche:
Frühe Lieder und Quartette von Milhaud

Der 1892 in Aix-en-Prvence geborene, 1974 in Genf gestorbene Komponist und Dirigent Darius Milhaud begann seine Autobiographie „Notes sans Musique“ von 1949 mit dem bekenntnishaften Satz: „Ich bin ein Franzose aus der Provence und ein Jude der Religion nach.“

In zahlreichen Werken, von denen hier nur die 8 „Poèmes Juifs“ (1916), der „Sabbath Morning Service“ (1947) und die Oper „David“ (1952) genannt seien, bekannte sich der tief religiöse Musiker zum Judentum.

Von einem ganz anderen Bekenntnis zeugen die drei CDs mit dem in München ansässigen Fanny Mendelssohn Quartett, zum Inbegriff von absoluter Musik und zur vielleicht reinsten Ausprägung der Kammermusik, zum Streichquartett.

Die ersten acht von insgesamt achtzehn Beiträgen zu dieser anspruchsvollen Gattung liegen, durch frühe Lieder aufgelockert, dank dem deutschen Ensemble erstmals in einer kompetenten und konkurrenzlosen Aufnahme vor.

Das bis jetzt vor allem mit herausragenden Werken von Komponistinnen wie Grażyna Bacewicz, Fanny Mendelssohn und Germaine Tailleferre bekannt gewordene Quartett (Renate Eggebrecht und Mario Korunič, Violinen, Stefan Berg, Viola und Friedemann Kupsa, Violoncello) zeigt Milhauds Streichquartette aus der Zeit von 1912 bis 1932 aus neuer Sicht und in anderem Licht: Sangbarkeit und Klangintensität dominieren.

Selbst in untergeordneten Neben- und Unterstimmen sorgen die homogen musizierenden Solisten und Solistinnen für den Eindruck, Darius Milhaud sei ein geborener Melodiker gewesen, dem das Erfinden und Aufzeichnen von einprägsamen Melodien leicht von der Hand ging.

Eine bessere Kombination als mit klavierbegleiteten Liedern aus der selben Schaffenszeit hätten sich die Verantwortlichen der Firma TROUBADISC (München) nicht einfallen lassen können.

Ausdrucksstarke Liederfolgen auf Texte der Freunde Jean Cocteau, Paul Claudel und Léo Latil und die trotz extremer Kürze – der Durchschnitt liegt bei einer Minute! – gehaltvollen „Soirées de Petrograde“ (René Calupt) stehen zwei Vokalwerken mit obligaten Instrumenten gegenüber, die auf einem Ausstellungskatalog basierenden „Machines agricoles“ (1919) und der „Catalogue de Fleurs“.

Im Unterschied zu den prosaischen Texten enthält die oft mehrere Tonarten miteinander verknüpfende Musik viel zarte Poesie und diskreten Charme.

Die Sopranistin Ulrike Sonntag und ein von Linda Horowitz dirigiertes Ensemble verhelfen diesen reizvollen Miniaturen zum Status von Juwelen der modernen Liedkunst mit Begleitinstrumenten.

Der französischen Grundhaltung blieb Milhaud in allen seinen Streichquartetten treu – mit einer wichtigen Ausnahme.

Im 5. Quartett op.64 von 1920, Arnold Schönberg zugeeignet und voll expressiver Harmonik und Stimmführung, näherte sich der Provenzale der rauheren Tonsprache des österreichischen Widmungsträgers an.

Milhaud hatte ihn stets als großen Anreger bewundert, wovon auch dieses tiefschürfende Quartett in vier Sätzen zeugt.
Dawid Hiller


Landeszeitung für die Lüneburger Heide,
Niedersächsisches Tageblatt

13./14: Januar 1996

Die von der Plattenindustrie beklagte Absatzkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Das von aufwendigen Kampagnen begleitete Beschwören des Immergleichen verstopft die Ohren. Die Notwendigkeit, die 27. Einspielung einer Beethoven-Sinfonie ins Regal zu stellen, lässt sich nun mal schwer vermitteln. Die Überraschungen, die es dennoch gibt, kommen oft von kleinen Firmen, die müssen nur gefunden werden.

Doch fern von Herrn Domingo und Frau Mutter stürzen sich Künstler ins Meer der unverbrauchten Töne. Zu entdecken sind frühe Werke von Darius Milhaud (1892-1974), Streichquartette und Lieder, die zum Teil noch nie eingespielt wurden. Schillernde Musik, voller Lust am Experiment, voller Auf- und Ausbrüche und doch immer um pure Melodik kreisend.

Milhaud schuf ein gewaltiges Œuvre vom Solostück über die Oper bis zur Filmmusik. Das Fanny Mendelssohn Quartett hat nun die ersten acht Streichquartette (von insgesamt 18) eingespielt, eine Gattung, die Milhaud zeitlebens reizte. Musiziert wird beherzt, mit Blick auf die Eigenständigkeit der Stimmen. Deutlich wird, wie Milhaud die Experimente seiner Zeit aufsaugt, aber nicht kopiert. Auch das Atonale webt er ein in seinen Kosmos, für den die Knappheit, der Verzicht auf wiederkäuende Verarbeitung eines Themas typisch ist.

Bei allen Klangschichtungen, Tonart-Experimenten orientieren sich auch die Vokalwerke immer am Sangbaren. Kurios: Milhaud weidete textlich einen Blumenkatalog aus, und im Zyklus „Machines agricoles“ besingt er in ernsthaften Pastoralen „farbige Metallinsekten“, etwa eine Samendrillmaschine. Zu hören sind ebenso komplexe wie konzentrierte Liedsätze, die Milhaud Kollegen widmete. Sopranistin Ulrike Sonntag und Bariton Maarten Koningsberger machen sich als Solisten um diese Ausgrabungen verdient.
Oc


Stuttgarter Zeitung, Nr.60
Rosmarin und Thymian- Das Frühwerk Darius Milhauds

Ich will achtzehn Quartette schreiben.“ So sprach Darius Milhaud, 28jährig, und keinen geringeren als Beethoven (der deren siebzehn schrieb) wollte der 1892 in Aix-en-Provence geborene Komponist damit wenigstens numerisch übertreffen. Im Einklang mit seinen Kollegen aus der Gruppe des Six, im rationalistisch modernen ästhetischen Umfeld von Erik Satie und Jean Cocteau, wollte er in seiner Musik die typisch französische Ausgewogenheit von Gefühl und Verstand im Gegensatz zur überbordenden, chromatischen Ausdrucksfülle der Spätromantik wiederherstellen. Wagner und Debussy waren out, statt dessen galt die formale Strenge von Komponisten wie Rameau oder Bach als Vorbild für eine neue Musiksprache.

Tatsächlich schrieb Milhaud dann im Laufe seines Lebens 18 Quartette, wobei diese bis heute den Weg in die Konzertsäle nur ausnehmend spärlich gefunden haben. Dies gilt im besonderen Maße für Milhauds frühe Quartette. Die ersten acht dieser Werke hat sich nun das Fanny Mendelssohn‑Quartett in einer Einspielung angenommen, die diese mit frühen Vokalwerken kombiniert (kompetent gesungen von Ulrike Sonntag und Maarten Koningsberger) und damit ein erhellendes Licht auf das kammermusikalische Frühwerk Milhauds wirft.

Ganz im Geiste von Erik Satie entstanden dabei Werke wie die Liedsammlung „Machines agricoles“ (Landmaschinen), deren Texte dem Katalog einer landwirtschaftlichen Maschinenausstellung entnommen sind. Am meisten verblüffen aber die Frische und die Transparenz wie auch die melodische Leichtigkeit eben dieser Quartette, die das Fanny Mendelssohn‑Quartett mit Inspiration und spürbarem Engagement spielt. Gerade das erste Quartett, das Milhaud dem Maler Cézanne gewidmet hat, scheint in seiner melodisch schlichten wie harmonisch farbigen Klarheit, die provenzalische Stimmung gleichsam aufgesogen zu haben: Gäbe es duftende Klänge, diese hier röchen gewiß nach Rosmarin und Thymian.
Fab


Gießener Anzeiger, 17.Jan.1996
Vertonte Werbetexte für Blumen und Agrarmaschinen

Ein Tonfall von ganz eigener Sensibilität und Sinnlichkeit findet sich in den Kammermusik‑Schöpfungen des ungeheuer produktiven Darius Milhaud (1892-1974). Ohne den erkennbaren äußeren Anlaß eines Gedenkjahres hat jetzt das kleine Münchner Label TROUBADISC, dessen bisherige Veröffentlichungen den Werken komponierender Frauen gewidmet waren, drei Compact Discs mit Milhauds frühen Streichquartetten und Vokalwerken herausgebracht (TRO-cd 01409, 01410 und 01411; Vertrieb in Deutschland über das Klassik‑Center‑Kassel).

Da finden sich nicht weniger als acht Streichquartette (von insgesamt 18!), beginnend mit dem tonalen, Debussy‑nahen op.5 des 20jährigen über das kühne, Schönberg gewidmete fünfte Quartett op.64 aus dem Jahr 1920 bis zum achten, 1932 entstandenen Gattungsbeitrag, der bereits die Opuszahl 121 trägt.

In allen diesen Instrumentalsätzen drückt sich eine unbändige Musizierfreude aus, die phasenweise von einer recht unbekümmerten Lust am Experiment und am Erproben neuer satztechnischer und klanglicher Möglichkeiten begleitet wird; vor allem Milhauds besonder Spizialität, mehrere einander eigentlich fremde Tonarten parallel ineinander zu verschränken sowie mehrere verschiedene rhythmische Grundmuster miteinander zu kombinieren (Polytonalität und Polyrhythmik), feiert in einigen dieser Werke wahre Triumphe.

Die Spannweite von Milhauds Musik ist damit noch nicht ausreichend gekennzeichnet: das unablässige, gelegentlich auch in den Frühwerken von mechanischer Routine bedrohte Sprudeln und Strömen dieser Klänge enthält neben diesseitiger Gelöstheit auch wundersame Inseln der Poesie, der Andacht und Meditation. Das seit zehn Jahren bestehende Fanny Mendelssohn Quartett musiziert die Quartette mit der zupackenden Frische und auf feine Zwischentöne achtenden Wärme, die sie verdienen.

Unter den „frühen Vokalwerken“, die die drei Platten außer dem enthalten, findern sich auf der ersten CD die Vertonungen von vier Gedichten von Léo Latil op.23 (1914) und drei Gedichten von Jean Cocteau op.59 (1919/20).

Die zweite CD bietet in Ersteinspielungen die legendären „Machines agricoles“ op.56 (1919) und den „Catalogue de Fleurs“ op.60 (1920). In diesen „Pastoralen“ für Singstimme und kleines Instrumentalensemble vertonte Milhaud die Werbetexte eines Katalogs für landwirtschaftliche Maschinen und die Angebote eines Blumengeschäfts – eine Zielscheibe für gehässige Angriffe in dem 1941 erschienenen nationalsozialistischen „Lexikon der Juden in der Musik“ von Theo Stengel und Herbert Gerigk.

Die Sopranistin Ulrike Sonntag liefert jetzt den klingenden Beweis, dass die Stücke einen höheren Stellenwert als nur den einer vokalen Kuriosität einnehmen und mehr bieten als geistvolle Scherze in der Nachfolge von Erik Satie.

Auf der dritten CD singt der holländische Bariton Maarten Koningsberger vier Claudel-Vertonungen op.26 (1915/1917), denZyklus „Les Soirées de Pétrograd“ (nach René Calupt) op.55 (1919) und das „Poème du Journal Intime de Léo Latil“ op.73; die stets zuverlässige Klavierbegleitung liefert Rudolf Jansen.

Jenseits des gängigen Repertoirs ist hier eine Edition gelungen, die erstaunlicherweise auch den in Klassik ungeübten Hörer anspricht und der selbst die noch lebende Witwe Milhauds das Prädikat „excellent“ nicht versagt hat.
mt


Dresdner Neue Nachrichten, 31.Juli1996
Metallinsekten und Minimonodramen

Dieser Provencale mit dem dicken Kopf war „modern“ auf seine Weise. Als er Katalogtexte zu einer Ausstellung mit Landwirtschaftmaschinen vertonte, da schmunzelten die Leute wie über eine ironische Pointe – und hatten nichts begriffen. Darius Milhaud wollte wirklich einfach „die Schönheit dieser großen, farbigen Metallinsekten“ in Töne setzen. So einfach, so schön singt es auch Ulrike Sonntag in der Ersteinspielung dieses Werks. Produziert wurde sie im Rahmen eines ungewöhnlichen Projekts.

Das ambitionierte Label TROUBADISC hat gleich drei CDs den frühen Streichquartetten und Vokalwerken eines Komponisten gewidmet, von dem viele nur noch den Namen kennen. Milhaud wurde nie dogmatisch. Er suchte nicht nach Haltungen und Hindernissen, sondern fand zum Neuen aus einer gewissen bukolischen Ausgeglichenheit heraus.

Mit telemannartiger Zuverlässigkeit – auch, was eine nie unterschrittene Grundqualität angeht – schuf er 400 Werke, von denen viele noch oder wieder zu entdecken sind.

So ist der CD‑Dreiteiler mit frühen Streichquartetten und Vokalwerken Milhauds kein Marktlücken‑Aktionismus, sondern eine sinnvolle Maßnahme.

Es begann mit – unter anderem – dem Streichquartett, das Milhaud dem Andenken Cézannes widmete (TRO-CD 01409) und ging weiter mit der erwähnten Maschinenmusik (TRO-CD 01410).

In einer optischen Aufmachung, die griffig mit Tendenzen der Zwanziger Jahre spielt, liegt jetzt die dritte und letzte CD mit Pianist Rudolf Jansen und dem Fanny Mendelssohn Quartett vor (TRO-CD 01411).

Zunächst singt der holländische Bariton Maarten Koningsberger Lieder nach Gedichten von Claudel... Sein Timbre ist angenehm, der Stimmsitz unverkrampft und trifft durchaus den eigentümlichen, statisch‑abwartenden Ton dieser Minimonodramen.

Durchweg treffend gestaltet Koningsberger die „Soirées de Pétrograde“. Diese ironisch‑bizarren Vignetten, unterm Eindruck der Oktoberrevolution von René Calupt in jeweils acht Zeilen gereimt, hat Milhaud nicht in der Form, sondern im Inhalt vertont: Er kreuzt die Reime mit einer ostinaten Kürzestprosa und dem Ergebnis, dass die Wörter an Deutlichkeit und Raum gewinnen.

Stark, wie der „bleiche Oberst“ durch den Palast irrt, dem die Revolution seine Wirklichkeit genommen hat – wie Schatten liegen die Klavierakkorde. Eine brillante Annäherung, bei der sich das siebte Quartett (1925) als stärkstes erweist. Denn während sich Milhaud in achten (1932) reichlich bedeutsam gibt, ist er hier ganz klar: buddhistisch sanft im „Lent“, und im Finale mit Betonungsverschiebungen spaßend.
Hgd


Vol.1, TRO-CD 01409

Fono Forum, 6/95
Versteckte Clarté

Das Fanny Mendelssohn-Quartett aus München hat die Reihe von Darius Milhauds frühen Streichquartette, ergänzt durch Vokalwerke, mit den ersten zwei Quartetten begonnen. Und hier, zwischen 1912 und 1914, hat der aufstrebende Geiger‑Komponist aus Aix eine entscheidende Phase der Stilfindung durchlaufen.

Das erste Quartett ist stilistisch noch recht breit gestreut, manche Einflüsse der großen Landsleute wie Ravel, natürlich Debussy und – vor allem – des zwischen „anything goes“ – Weltoffenheit und l’art pour l’art‑Verstiegenheit buntschillernden Charles Koechlin wirken phantastisch ineinander.

Dabei hat aber jeder Satz eine ganz charakteristische Physiognomie, wobei die Eigenständigkeit im duftigen zweiten Satz und im tänzerischen Finale am ausgeprägtesten ist. Das wild‑romantisch ausladende Grave zog Milhaud später zurück – die Entscheidung, es miteinzuspielen, ist schon deshalb die einzig richtige gewesen, weil er hier unverstellt einen Wesenszug offenbart, den er, als Brahms‑Verächter, später umso nachdrücklicher abgeschüttelt hat. Dieser Wesenszug zeigte sich immer, wennauch Jahre später und im Gewande klassischer Clarté, so im zentralen Grave der siebenten Sinfonie, wo durch alle Verzahnungen immer ein Passacaglia‑Skelett durchscheint.

Das zweite Quartett stellt einen verwegeneren Milhaud vor, und einen schwieriger zu realisierenden: Leichtfüßiger, kontrapunktisch versponnener und harmonisch vielschichtiger ist es. Hier sind die Ausführenden vor eine zuweilen kaum erfüllbare Aufgabe gestellt, was die Gleichzeitigkeit extremer Forderungen betrifft – etwa sehr schnell und mit äußerster Leichtigkeit das vielstimmige Geflecht durchsichtig zu halten, sich dabei mit der einen Stimme zu vermischen, während die andere sich davon gezielt abheben soll und die vierte mit ihrer regen Tätigkeit eigentlich nur undeutlichen Hintergrund liefern darf –
Christoph Schlüren


Gramophone, 8/3/1995

This disc is labelled as Vol.1 in a series of „Early String Quartets and Vocal Works”. An odd mixture, one might think, but the two branches of Milhaud’s catalogue do overlap in his compositions between 1910 and 1920.

Fresh and pastoral, the First Quartet was written at Aix and dedicated to Cézanne’s memory and reminds us form the outset that Milhaud was a countryman, sensitive to the movements and colours of earth, sky and living creatures.

There’s an appealing simplicity here, and the exoticism and polytonal techniques of his later music are absent. I hear a strong affinity with Ravel’s Quartet (try the gently modal passage at 1’58’’ in the first movement for sample), although Milhaud was a less gifted melodist. The bouncy finale resembles a folk dance. This whole work has considerable charm and an intimacy that may surprise you if you think of this composer as a rough diamond.

The Grave third movement is the longest and most openly emotional; surprisingly, in 1950 Milhaud authorized its emission, although leaving it in the score. A near masterpeace, this First Quartet, and essential listening for anyone wishing to understand the composer’s roots; and this young ensemble, decently recorded, play it with skill and understanding.

They are no less effective in the Second Quartet, one of the composer’s favourite works. Cast in five movements, it is more polyphonic and intellectually urban in idiom. But it, too, has its rewards: try the mysterious Très lent second movement and the whirling, muted third to appreciate Milhaud’s skill in creating and sustaining atmosphere. Both these quartets also remind us that he was a fine string player, he actually played second violin in the première of the second.

I am no less impressed by the performance of the Latil and Cocteau songs, the latter (dedicated to Satie) being tiny vignettes each lasting under a minute. The German soprano Ulrike Sonntag, a Fischer‑Dieskau and Schwarzkopf pupil, has good French and Rudolf Jansen is a sympathetic partner. The Latil cycle shows Milhaud’s fine response to the coolty sensuous texts, which the booklet provides, with translations. The recording here is rather too daylit, but don’t let that put you off investigating this valuable new issue.
CH


Opera International, Octobre 1998

C’est à une tâche de longue haleine que s’est attelée cette firme, en publiant le premier volume d’une intégrale des quatuors à cordes et pièces vocales de Darius Milhaud (1892-1974). Car sa production de quatuors compte 18 numéros, et celle de mélodies 265 !

Rien vienne d’Allemagne, où le compositeur fur très tôt joué. On pourra seulement regretter que le livret du CD ne comporte des explications sur les œuvres qu’en allemand et en anglais, alors que les textes des poèmes (quatre de Léo Latil de 1914 et trous, très brefs, de Jean Cocteau de 1919-1020) sont dans ces deux langues, mais aussi en français.

Ulrike Sonntag est presque parfaite. On pourra seulement lui reprocher, dans les quatre mélodies de Latil – un ami provençal très cher à Milhaud, mort au combat en 1915 - , de ne pas faire la distinction entre tendresse et désespoir. Cette alternance subtile fait tout le prix de L’Abandon, sorte de déclamation à la Debussy, Ma douleur et sa compagne, un nocturne marin avec superposition du binaire et du ternaire, Le Rossignol, très lyrique et peuplé de frais chants d’oiseaux, enfin La Tourterelle, riche de sensualitè mélodique.

La soprano est plus à son affaire dans Fumée, Fête de Bordeaux et Fête de Montmartre, dans lesquelles Milhaud se met au diapason des juxtapositions verbales et des associations d’idées du virtuose Cocteau.

L’accompagnement de piano de Rudolf Jansen se rapproche particulièrement de la façon qu’avait le compositeur d’écrire « avec amour » une musique sans cesse en mouvement, naturelle et claire, qualités que l’on retrouve également dans les deux premiers quatuors à cordes.
Yves Bourgade


Vol.2, TRO-CD 01410

Musik und Theater Zürich Nr. 9, Sept.1996
Musik über landwirtschaftliche Maschinen

Ständig als Skurrilität missverstanden, liegen die Pastoralen Gesänge „Machines agricoles“ op.56 von Darius Milhaud erstmals in einer CD "Brüder von Pflug und Sichel“ (Milhaud), die den Musiker beeindruckten. Letzteres dürfte der Hörer auch von den melodisch und harmonisch Einspielung vor. Das Kuriosum entstand 1919 und ist den Freunden der Komponistengruppe „Les Six“ gewidmet, der Milhaud selber angehörte.

Seine Besonderheit besteht in der Wahl des Textes – er entstammt dem Katalog einer Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen – und in der quasi instrumentalen Behandlung der Singstimme. Ein Begleitensemble unter der Leitung von Linda Horowitz unterstützt die sehr flexible Ulrike Sonntag in ihrem Parcours durch die „großen, farbigen Metallinsekten", die modernen originellen Einfällen in den frühen Streichquartetten sein.

Sie überraschen mit eindringlichem Espressivo und sind dennoch äußerst durchsichtig vorgetragen, mit einer Fülle von Ausdruckshaltungen, die von schlichter Linearität über würzige Bitonalität bis in die Nähe Schönbergs führt. Walter Labhart


Fono Forum, 10/1995
Milhaud zwischen 1916 und 1920 – unentdeckte Abenteuer

Dank der letzten Verbesserungen sind Grasmähmaschinen robuste und praktische Geräte geworden“ – aus einem Katalog einer landwirtschaftlichen Maschinenausstellung von 1913 stammen die Texte zu Milhauds Vokalzyklus „Landmaschinen“ (1919). Milhaud widmet die sechs Sätze stimmigerweise seinen Freunden von „Les Six“ sowie Jean Cocteau – die Öffentlichkeit allerdings versteht sie als ästhetischen Scherz, was nach Meinung des Komponisten doch ganz in der Tradition jener Komponisten steht, die Ernte, Wein und Landleben besingen.

Und tatsächlich haftet dieser Musik hier nichts Ironisches oder Distanziertes an; vielmehr huldigt sie mit schlichter Eleganz und heiter‑ernsthafter Narürlichkeit der „Schönheit dieser großen, farbigen Metallinsekten“ (Milhaud).

Ulrike Sonntag findet mit unaufdringlichem Charme gerade den richtigen Tonfall für diese Texte; dabei gelingt ihr zweifellos das Kunststück einer glaubwürdig‑eindringlichen Gestaltung jenseits von Pathos, von unfreiwilliger Komik oder pur‑trockener Sachlichkeit – eine gelungene Schallplatteneinspielung eines Werkes, dessen Ästhetik bislang anscheinend musikgeschichtlich nicht recht verstanden wurde.

Auch der 1920 entstandene „Blumenkatalog“ mit seinen vokalen Miniaturen von Webernscher Kürze zeigt schlagartig das wache, durchweg unkonventionelle Bewusstsein eines Komponisten, dem zu Unrecht noch immer der Makel mittelmäßiger Moderne anhängt.

Die 1916, 1918 und 1920 entstandenen Streichquartette Nr.3, 4 und 5 demonstrieren ganz andere, in sich selbst stark kontrastierende Züge von Modernität. Dabei zeigt sich im dritten und im fünften Quartett auch eine sehr deutliche Distanz zur Ästhetik der „Six“; vor allem im Schönberg gewidmeten fünften Streichquartett dokumentiert sich eine äußerst subjektive, polyphon‑poytonale Expressivität, die sich nicht in irgendwelche stilistischen Klischees dieser abenteuerlichen Nachkriegszeit einordnen läßt.

Das Fanny Mendelssohn Quartett wird den reichen Farbspektren und subtilen Rhythmen voll gerecht; Dramaturgie und innerer Atem der Musik teilen sich spontan mit.
Hans Christian von Dadelsen


The Musical Times, October 1995

Confronted by such a massive cornucopia of an output as Milhaud’s, one despairs of ever finding the way to its serious core, remaining content with Le boeuf sur le toit and other charming if lightweight pieces.

But now there is little excuse for ignorance, thanks to a splendid new series devoted to the early quartets and vocal works, performed by an excellent German ensemble fully attuned to Milhaud’s style and idiom.

It would seem that he produced many of his finest pieces in these intimate and concentrated forms, as opposed to the monstrous prolixity of the opera Christophe Colomb. All the music in vol.2, reviewed here, was composed during the First World War and its immediate aftermath, paradoxically a time of great ferment and energy in all the arts.

Severe personal loss, the death in action of his friend, the poet Léo Latil, motivated the deeply sombre and elegiac Third Quartet (1916), in which Milhaud’s distinctive bitonal language has begun emerge. The overall dirgelike atmosphere is relieved by the flow of expressive melodic invention and finely textured string sonority, notably the ghostly phrase in violin harmonics in the first movement’s coda.

A restoration of his essentially hedonistic spirits amid the luxuriant surroundings of Rio de Janeiro in 1917-18 is evident in the outer movements of the Fourth Quartet, full of earthy folk melodies and dance rhythms from his native Provence. Yet the war could not be forgotten, reflected in the grim ‘Funèbre’ with its relentless ostinato rhythm, into which beautiful superimposed fourth chords break, like rays of hope.

The cessation of hostilities brought a new impetus to Milhaud’s creativity. In the more abstract Fifth Quartet (1920), the discovery of Schoenberg’s atonalism stimulated a confident expansion of polytonality into massive clouds of stepwise moving contrapuntal energy; if these seem to exist in and for themselves alone, the effect is nevertheless curiously exhilarating.

The remaining works for voice and ensemble – splendidly sung by Ulrike Sonntag, an artist of great presence – turn out to be exquisite miniatures totally at odds with their perversely offputting utilitarian titles and texts, Machines agricoles and Catalogue de fleurs. This CD should not be missed.
Andrew Thomson


Vol.3, TRO-CD 01411

Fono Forum, 6/1996
Aus frühen wilden Zeiten

Der aus der französischen Provence stammende Komponist Darius Milhaud (1892-1974) hat ein ungewöhnlich reichhaltiges und auch vielseitiges Schaffen in allen musikalischen Sparten hinterlassen, gilt jedoch heute nicht unbedingt als einer der Innovatoren der Musik unseres Jahrhunderts. Innovation allein aber ist noch kein Kriterium, um einen Tonsetzer abschließend zu würdigen; so kann es nicht schaden, sich mit dem Œuvre Milhauds immer wieder auseinanderzusetzen.

Umso überraschender, dass die hier eingespielten Werke aus der Frühzeit des Komponisten doch den Aufbruchszeit der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts auf originelle Weise widerspiegeln; vor allem die Vokalzyklen mit ihrer aufgerauhten Expressivität sind ganz typische Zeugnisse der Zeit direkt vor und nach dem Ersten Welkrieg.

Ganz besonders gilt dies für die Claudel-Vertonungen des Opus 26, entstanden 1915-1917, die einen Komponisten voll jugendlich-stürmerischer Phantasie offenbaren und neugierig machen auf weitere Beispiele aus dem gerade in Deutschland kaum bekannten vokalen Schaffen Milhauds. Maarten Koningsberger spürt den Facetten dieser Liedkunst sensibel und engagiert nach.

Die Streichquartette Nr.6 bis 8 führen dann schon eher in die neoklassizistische Periode der Zwanziger Jahre, als Milhaud die Ideale des ‚Groupe des Six’ vertrat. Seinerzeit hatten sich immerhin so prominente Vereinigungen wie das Pro Arte Quartett für Milhaud eingesetzt.

Das Fanny Mendelssohn Quartett, das ja in den letzten Jahren auf diesem Label schon mehrmals Streichquartett-Aufnahmen veröffentlichte, vor allem aus der Komponistinnen-Szene, hat seitdem an Substanz und Spielkultur erheblich gewonnen und kann den harmonischen und rhythmischen Delikatessen Milhauds mit Geschmack nachspüren.

So entsteht das Bild eines Komponisten in einer Sturm-und–Drang-Zeit, deren künstlerische Ausprägungen wohl eher dem Bestand der Musikgeschichte zuzurechnen sein werden als die etwas routinierten Werke der späteren Lebensjahre Milhauds.
Hartmut Lück


The Musical Times
Peut-être oui, peut-être non

Having myself a horror of gratuitous excess, I can certainly share the view cited by Robin Holoway (in MT April 96) that ‘copious productivity implies poor quality’.

Yet Volume 3 of the outstanding German series covering Milhaud’s early string quartets and vocal works reinforces my belief that many of these virtually unknown pieces are clearly exempt from such strictures – which neverless validly apply to his œuvre as a whole.

Moreover, it would appear that his overwhelming and utterly conflicting experiences during the years 1914-18 – a violent personal and artistic awakening in Brazil with the poet Claudel against the background of the Great War’s universal trauma – forced from him an intensity of expression which could not be sustained indefinitely in the very different climate of the post‑war years.

Increasingly, sheer quantity of production, sustained by prodigious compositional technique, filled the spiritual void.

Quatre poèmes de Paul Claudel (1915, 1917), magnificently performed by the young Dutch baritone Maarten Koningsberger and his pianist Rudolf Jansen, come across as astonishing in their force of utterance. Milhaud rises to Claudel’s rhetoric of religious despair with an explosion of anger from the depth of his being, the powerful declamatory vocal writing intensified by the violence and darkness of the piano’s ostinato based writing and harmonic acerbidity.

Profoundly elegiac in tone, Poème du journal deLéo Latil (1921) is likewise a valid response to the words of his poet friend killed in action, a bitter reproach against God.

A rather lighter side appears in Les soirées de Petrograde (1919), settings of René Chalupt’s brief enigmatic poems, a Private Eye type view of the Tsarist regime’s overthrow by the recent Russian Revolution.

The varying moods of false nostalgia and cheekiness, musically matched by Satiean irony, aptly capture the sense of post‑war cynicism and disillusionment.

On the same CD, the admirable Fanny Mendelssohn Quartet, with its fine musical intelligence and warm clarity of tone continues to convince this listener of the merits of Milhaud’s early string quartets.

After the extreme abstraction of the Fifth quartet dedicated to Schoenberg (in Vol.2), the concise Sixth and Seventh come down to an entirely congenial human level: this is unambitios music infused with Mediterranean heat and light.

While the Sixth (1922) is tender and intimate, the Seventh (1925) seems more like a divertimento; in the latter, a touching 6/8 berceuse (‘Lent’) is followed by the finale whose joie de vivre is generated by a lively rhythmic and contrapuntal invention sounding entirely spontaneous and unforced.

Following these relaxed works of the 1920s, the more contrived and complex Eighth quartet of 1932 aspires to the intellectual toughness of the Central European tradition; like Schoenberg’s Third and Bartók’s Fifth quartets, it was a commission from the American patroness Elizabeth Sprague Coolidge.

The opening ‘Vif et souple’ breaks away from the previous monothematic style towards a more argumentative Thematic diversity. A brusque and disjunct five‑note motive repeatedly forces itself into the gentle 12/8 pastoral flow, gradually dominating the latter part of the movement.

By contrast, the central ‘Lent et grave is a rarified nocturne, to which the main theme’s ‘snappy’ rhythm provides a disrurbing undercurrent. The string writing is unfailingly effective and idiomatic, noticeably without recourse to special effects. The question poses itself: is Milhaud after all one of the great quartet composers of this century? Peut-être oui, peut-être non.
Andrew Thomson



 
letzte Änderung

(18.07.2014 - 16:25 Uhr)

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Vol.1:
Streichquartett Nr.1 op.5 (1912)
Streichquartett Nr.2 op.16 (1914/15)
Quatre Poèmes de Léo Latil op.20 (1914)
Trois poèmes de Jean Cocteau op.59 (1920)

Ulrike Sonntag, Sopran
Rudolf Jansen, Klavier
Fanny Mendelssohn Quartett

Vol.2:
Streichquartett Nr.3 op.32 (1916) mit Sopran
Streichquartett Nr.4 op.46 (1918)
Streichquartett Nr.5 op.64 (1920)
"Machines agricoles" op.56 (1919) und
"Catalogue de Fleurs" op.60 (1920)
für Sopran und 7 Instrumente

Ulrike Sonntag, Sopran
Fanny Mendelssohn Quartett
Ensemble

Vol.3:
Quatre Poèmes de Paul Claudel op.26 (1915/17)
Les Soirées de Pétrograde op.55 (René Chalupt, 1919)
Poème du Journal Intime de Léo Latil op.73 (1921)
Streichquartett Nr.6 op.77
Streichquartett Nr.7 op.87 (1925)
Streichquartett Nr.8 op.121 (1932)

Maarten Koningsberger, Bariton
Rudolf Jansen, Klavier
Fanny Mendelssohn Quartett

Fanny Mendelssohn Quartett

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 


"Nachts, vor dem Einschlafen, schloß ich dann meine Augen, und in meiner Phantasie vernahm ich Musik, die so frei dahinströmte, wie ich sie nie hätte zu Papier bringen können. Wie soll ich das erklären? Es war offenbar ein Mysterium in mir wirksam, zu dem meine Seele mit Entzücken Zuflucht nahm und wo tief in den Abgründen des Unbewußten meine musikalische Sprache langsam Form annahm. "
(1908)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Darius Milhaud

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


„Die Gründung des „Groupe des Six“ verstärkte die Freundschaftsbande zwischen uns. Zwei Jahre lang trafen wir uns regelmäßig sonnabends in meiner Wohnung. Paul Morand bereitete Coctails, später gingen wir dann in ein kleines Restaurant am Ende der Rue Blanche. Der Raum im ‚Petit Besonneau’ war so klein, daß wir Sonnabendgäste ihn ganz füllten. Man gab sich dort ohne Rückhalt dem Überschwang hin. Wir waren nicht nur Komponisten, es waren auch Ausführende unter uns: Marcelle Meyer, Juliette Meerovitch, Andrée Vaurabourg, der russische Sänger Koubitzky. Dann gab es Maler: Marie Laurencin, Irène Lagut, Valentine Gross, die Braut von Jean Hugo, Guy-Pierre Fauconnet; und Schriftsteller: Lucien Daudet und Raimond Radiguet, ein junger Dichter, den Cocteau mitbrachte. Nach dem Abendessen besuchten wir oft den Jahrmarkt von Montmartre, angelockt von den dampfgetriebenen Karussells, den geheimnisvollen Buden, der Tochter des Mars, den Schießbuden, den Glücksspielen, Menagerien, dem Gedudel der mechanischen Orgeln, die auf ihren perforierten Walzen schonungslos und gleichsam unisono alle die plärrenden Melodien der Music‑Halls und Revuen ableierten. Oder wir gingen zum Zirkus Médrano, um die Fratellini in ihren Akten zu sehen, Cowns von solcher Poesie und Phantasie, daß sie der Commedia dell’Arte würdig erschienen. Wir beschlossen dann den Abend bei mir. Die Poeten lasen ihre Gedichte, wir spielten unsere letzten Kompositionen...“
(1919)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Cocteau stellt die "Six" Erik Satie vor: Poulenc, Milhaud, Auric...
Karikatur von Jean Oberlé

 

 

 

 

 

 

 

 

 


„Nicht ein einziger Kritiker hat verstanden, was mich eigentlich dazu veranlasst hatte, diese Werke (Machines Agricoles und Catalogue de Fleurs) zu komponieren, und daß sie aus demselben Geiste geschrieben waren, in dem früher einst Komponisten die Erntezeit, die Weinernte oder den ‚Fröhlichen Landmann’ gepriesen hatten, aus demselben Geist, aus dem heraus Honegger die Lokomotive glorifiziert hat und Fernand Léger die Maschinenwelt. Wann immer jemand meine Neigung für Ironie und Exzentrizität beweisen wollte, hat er Machines Agricoles zitiert. Ich habe nie herauszufinden vermocht, warum vernünftige Menschen glauben können, daß ein Künstler seine Zeit mit der Absicht verbringen würde, ein paar Menschen zum besten zu haben, da doch mit dem Schöpfungsprozeß soviel bittere Qual verbunden ist.“
(1920)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Darius Milhaud beim Sonderkonzert
der "Musica Viva", München 1962

 

 

 

 

 

 

 

 


„Karl Amadeus Hartmann, der Leiter der ‚Musica Viva’, lud mich zum Januar 1962 wieder nach München ein. Ich habe ihn nicht ein zweites Mal enttäuschen wollen, und so habe ich die Reise trotz aller Schwierigkeiten (ich war außerstande, aufrecht zu stehen) unternommen. Dr. Hartmann stellte mir zwei Rote-Kreuz-Krankenwärter zur Verfügung, die mich auf das Podium hoben. Die Hartmanns gingen in ihrer Hilfsbereitschaft so weit, sogar ein Mittagessen ins Foyer bringen zu lassen, und wir ‚picknickten’ dort zusammen, da ich am gleichen Tage zwei Vorstellungen zu dirigieren hatte. Alles ging gut. Das Konzert zog eine große Menge Hörer, vor allem junge Menschen, an. Die Kritik maß L’Homme et son Désir besondere Bedeutung bei; da ich ein in sechs selbständige Gruppen geteiltes Orchester verwandte und die Schlaginstrumente dabei eine wichtige Rolle spielten, sah die Kritik in diesem Werk aus dem Jahre 1917 einen Versuch ‚räumlicher’ Musik, die heutzutage so hoch eingeschätzt wird.“
(1962)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Texte aus:
Darius Milhaud,
Noten ohne Musik
Prestel-Verlag München 1962