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Skordatur - Die Mysteriensonaten von Heinrich Ignaz Biber
 
Forum-Beiträge

Die berühmtern Mysteriensonaten von Biber sind natürlich kein "sagenumwobenes Mysterium" sondern sehr klug auf bestimmte Saitenstimmungen (Skordaturen) disponierte Kompositionen für das akkordische Spiel auf der Violine.

Scordatura – The Mystery Sonatas by Heinrich Ignaz Biber The famous Mystery Sonatas by Biber are naturally not a “mystery shrouded in legend,” but rather compositions very cleverly conceived with specific string tunings (scordaturas) to enable chordal playing on the violin. 

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Skordatur bei Mozart und Henri Dutilleux

 
Auch Mozart...
von: F. Starka |  am: 09.05.2005
Hallo!

Wußten Sie, daß auch W.A.Mozart in seiner Sinfonia Concertante für Violine und Viola + Orchester in Es-Dur für die Viola eine Skordatur vorsieht? Sie sollte in des, as, es', b' einstimmen. Das Instrument klingt dann wesentlich besser! Leider wird das wohl nur selten gemacht.

Franz Starka


Das wusste ich gar nicht
von: I. Herms | am: 01.07.2005
 
Hallo das wusste ich gar nicht, vielleicht eignen sich die heute üblichen Saiten nicht zum "Verstimmen"? Die heutigen Solisten-Instrumente sind ja viel lauter eingestellt als die zu Mozarts Zeit, der Steg ist höher, sodass der Druck auf's Instrument größer ist. Aber die Saiten sind heute eigentlich sehr flexibel und die Skordatur der Bratsche bei Mozarts Concertante bedeutet ja nur Halbtonverstimmungen. Ich habe dieses Konzert noch nicht mit einer Bratschen-Skordatur gehört, wäre sicher interessant! Danke für den Tipp!

Isa

 
Skordatur bei Henri Dutilleux
von: M. Specht | am: 01.11.2005

Vor einigen Tagen hörte ich im Radio das Werk: 3 strophes sur le nom de Sacher für Violoncello solo von Henri Dutilleux. Die normalerweise auf C gestimmte tiefste Saite des Cellos war hier auf B herabgestimmt, ein interessanter Klangeffekt. Die Skordatur ist nicht auf die "Alte Musik" beschränkt und bedeutet auch für heutige Komponisten eine Bereicherung.
 
Martin Specht

 
Noch einmal Bibers 'Mysteriensonaten'
von: N. Fuchs | am: 03.07.2005

Gerade habe ich in einer führenden Musikzeitschrift gelesen, dass die 'Mysteriensonaten' von H.I.Franz Biber 'hochvirtuos-affektgeladen' seien und wegen des 'komplizierten Umstimmungsverfahrens der Skordatur enorme spieltechnische Anforderungen für den Geiger' bedeuten. Es wird sogar von einem 'avantgardistischen Violinzyklus' gesprochen. Sie, Troubadisc, vertreten in Ihrem Themenbeitrag eine völlig gegensätzliche Ansicht. Was meinen Sie zu den obigen Behauptungen?

Nina Fuchs

 
Antwort an Nina Fuchs
von: F. Kupsa | am: 05.07.2005
 
Danke für Ihr Interesse und Ihre Anfrage. Leider gibt es für keine Musikfachzeitschrift eine Schutzimpfung gegen Unsinn! Dieser ca. 110-minütige Sonatenzyklus von Biber, mit einer Ciacona in Sonate 4, regt meist die Gemüter auf, die vom Geigen am wenigsten verstehen. Bei der Umstimmung werden doch nur die Grundintervalle verlangt, das tiefe G der G-Saite bleibt tiefster geforderter Ton und Oktaven sollten doch selbstverständlich gehört werden können. Was soll da "kompliziert" sein? Irgend etwas muss doch bei einem Musikstudium mit dem Fach Gehörbildung herauskommen! Besser ist es sicher, man kann schon als Kind den schönen vierstimmigen Kanon von Joseph Haydn "Ein einzig böses Weib gibt's höchstens auf der Welt..." mitsingen (wie ich es konnte), bei dem die Stimmen chromatisch in Halbtonschritten aufwärts die Oktave erreichen. Das ist so fantastisch komponiert, dass bei jedem Intervallschritt ein harmonisches Gefüge entsteht, das dem Sänger bestätigt: "Ich singe richtig!"
Die spieltechnischen Anforderungen für den Geiger sind beim Biber-Zyklus wirklich gering, wenn wir sie mit denen der Solosonaten von Bach vergleichen. Durch das Umstimmen der Geige wird ja gerade das Geigenspiel grifftechnisch einfacher. Ich kenne eine Aufnahme dieser Sonaten von 1963 mit der Geigerin Sonya Monosoff, in sehr sauberer Intonation und Tonschönheit.
Ein "avantgardistischer Violinzyklus" ist dieses Werk von Biber nun wirklich nicht (Avantgardist = Vorkämpfer einer neuen Idee oder Richtung)
Die Skordatur ist älter als die Geige. Man hatte die Gambe (Sylvestro Ganassi "Regola Rubertina" 1542/43), die Viola d' amore und die Lauten umgestimmt. Die Geiger übernahmen sehr früh die Umstimmpraxis, so z.B. Biagio Marini, Johann Fischer, Daniel Eberlin u.s.w. Zitat von J.J. Quantz: "Auf der Geige spieleten sie (die Streicher) mehr harmonisch, als melodisch. Sie setzeten viele Stücke, wozu die Violinen umgestimmt werden mussten. Die Seyten wurden nämlich, nach Anzeige des Componisten, anstatt der Quinten, in Secunden, Terzen oder Quarten gestimmet, um die Accorde desto leichter zu haben."
Biber war also nicht der einzige Geiger, aber er gehörte zur ersten Hochblüte des Skordaturspiels im 17. Jahrhundert. Er war kein Vorkämpfer sondern baute auf der Erfahrung der Zeit auf.
Beim Einstimmen eines ganz bestimmten Akkordes klingt die Geige besonders gut. Werden die Töne dieses Akkords gestrichen, werden die Resonanzverhältnisse besonders gut ausgenutzt. Dieses Akkord-Einstimmen begünstigt eine schlichte Harmonik. Johann Sebastian Bach führte die Violine in neue Welten, seine Werke für Violine Solo sind harmonisch so reich und kontrapunktisch so anspruchsvoll, dass sie nur auf einer in reinen Quinten gestimmten Geige, intoniert in der Quint-Terz-Stimmung, realisiert werden können. Bach selbst war einer der besten deutschen Geigenvirtuosen seiner Zeit. Sein Sonaten-Partiten-Zyklus für die Violine allein, insbesondere die berühmte Chaconne d-Moll BWV. 1004 ist nun allerdings Ausgangspunkt und Maßstab für fast alle Werke, die für Violine Solo im 20. Jahrhundert geschrieben wurden, sei es nun von Max Reger (er schrieb allein 3 Chaconnen), Arthur Honegger, Bela Bartók, Nikos Skalkottas oder Isang Yun.


Grüße herzlich
Friedemann Kupsa

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letzte Änderung

(18.07.2014 - 16:25 Uhr)

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