TROUBADISC Music Production
0 Titel im
Warenkorb / AGB 
DEUTSCH
ENGLISH

Fanny Mendelssohn über das Transponieren

Der Wiener Sänger Franz Hauser (einer der berühmtesten Bassisten seiner Zeit, 1794-1870) gehörte zum Freundeskreis Felix Mendelssohn Bartholdys und lernte durch ihn auch Fanny und ihre Lieder kennen und schätzen.

Ein Ende Oktober 1833 geschriebener Brief Fanny Mendelssohns gibt über die Zusendung von weiteren Liedern an Hauser Auskunft, die dieser bei einem Besuch in Berlin gehört hatte:

"Ich habe Ihrem Begehren nach noch einige Lieder transponiren lassen, wenn ich aber mein Mann wäre, d.h. ein Maler, so würde ich Ihnen das lange Gesicht u. die hängende Lippe des betrübten Componisten dabei hingezeichnet haben. Ich halte, wie Felix, das Transponiren für ein großes Verbrechen, für ein heimliches Vergiften, das spurlos tödtet, und wobei der Vergifter noch als ein tugendhafter Mensch umher geht, während andere, viel geringere u. unwillkürlichere Sünden, ihn oft um seine musi-kalisch-bürgerliche Ehre bringen. Aber ich habe schweigend u. duldend Ihren Wunsch erfüllt.

Die Auswahl, die Sie getroffen haben, wäre übrigens gar nicht die Meinige gewesen. Es sind einige Lieder darunter, die ich fast ungern aus den Händen gebe, da sie mir so gar nicht gefallen. Dafür habe ich nicht umhin gekonnt, Ihnen über Ihre Ordre hinaus noch eins schreiben zu lassen: Die frühen Gräber, welches ich für gut halte, u. welches Ihnen vielleicht bei näherer Bekanntschaft noch gefallen wird."

Ganz offensichtlich war der Komponistin der genau festgelegte Tonraum, der Bezug zwischen Gedichttext und Tonart-Charakter und die Ausdeutung des Textgehalts über einen ganz bestimmten Klang im tonalen System äußerst wichtig. Das Denken in und mit Tonarten ist Gegenstand ihres Komponierens, gehört zur Substanz ihrer Musik.

©  Troubadisc




 
letzte Änderung
Friedemann Kupsa
(01.02.2016 - 23:05 Uhr)

CMS myty by tyclipso.net ©2005
troubadisc.de a belle artes project

Fanny Mendelssohn
 
Zeichnung von Wilhelm Hensel